Puuuh – es ist geschafft. Die Biskaya „ist im Sack“ – doch der Reihe nach….
25.09.2017 bis 28.09.2017 Brest – La Coruña
09.00h Leinen los in Brest. Kribbeln im Bauch will nicht kommen – busyness as usual. Kurz nach der Hafenausfahrt passieren wir die „berühmten“ U-Boot Bunker.
Brest verabschiedet sich mit östlichen Winden, die uns zusammen mit dem Ebbstrom auf dem ersten Abschnitt bis westlich um die Ile de Sein herum gut voranbringen.
Nach Kursänderung an der Cardinaltonne auf Höhe der Ile De Sein um 14.20h geht’s mit Generalkurs 210° Richtung La Coruna weiter und die offene Biskaya bzw. der Atlantik liegt voraus. Groß und Genua 1 ziehen Avalon bei östlichen Winden mit 5-6 Kn durchs Wasser. Herrliches Segeln. Um ca. 19.00h sind sie wieder da – „unsere“ Delfine. Sie sind auf der Jagd nach etwa 20-30cm langen Fischen, die wie Silberpfeile an der Oberfläche umher schießen und durch Luftsprünge ihren Jägern zu entkommen versuchen. Bei vielen wird’s wohl beim Versuch bleiben. Immer wieder unterbrechen die Delfine ihre Jagd und umkreisen Avalon mit atemberaubenden Manövern. Nach einiger Zeit entfernen sie sich und es hat den Anschein als zeigten sie uns den Weg, den wir nehmen sollen.
20.05h, das Motorschiff „Greenwich Park“ kommt mit Kurs 170° von achtern auf. Die Peilung steht – Kollisionsgefahr! Das Schiff läuft 13,8 Kn und ist schon bis auf eine halbe Meile herangekommen. Wird Zeit, etwas zu tun! Ich rufe die Greenwich Park über UKW Ch16 an und nach kurzem Austausch auf Ch06 ist die Angelegenheit geklärt. Die Greenwich Park dreht nach Steuerbord ab und passiert Avalon mit gutem Abstand.
Die nur unter Ballast (ohne Ladung) fahrende „Greenwich Park“ rollt mächtig in der bis zu zwei Meter hohen atlantischen Dünung und schaukelt weiter ihrem Ziel entgegen.
Es ist jetzt 20.12 und die Sonne taucht langsam hinter der Kimm unter. Der erste richtige Sonnenuntergang auf See seit Beginn der Reise – „standesgemäß“ in der Biskaya!

Nur Minuten nach dem Sonnenuntergang – eine farbenprächtige Aura unterschiedlichster Pastelltöne. Kitschig? Von mir aus, aber jeder wird sich mit allen Sinnen an solchen Momenten berauschen.
22.20h, über 13 Stunden sind wir unterwegs und müssen erstmals den Motor zu Hilfe nehmen. Der Wind weht nur noch mit 2,5 Bft und wir können nicht mehr die 5 Kn über Grund halten, die wir uns als Durchschnittsgeschwindigkeit für die Biskayaüberquerung zum Ziel gesetzt hatten. Sterne gucken ist jetzt angesagt. Wir staunen über diese einzigartige Sternenwelt, die sich uns hier erschließt. Der Mond ist inzwischen untergegangen und stört mit seinem Licht nicht mehr. Aber absolute Dunkelheit umgibt uns erst, als wir auch noch die Fahrlichter ausschalten (pssst, ist nur für einen Moment). Polaris, immer ein bisschen steuerbord achteraus wenn der Kurs stimmt, dient uns als Kurskontrolle und wir sehen die Milchstraße in einer Klarheit, wie wir sie lange nicht gesehen haben.
26.09.2017
Es geht schon gegen Morgen und DAS Wintersternbild der nördlichen Erdhalbkugel, der Orion, steht schon komplett in östlicher Richtung am Himmel. Um 04.30h geht links unterhalb des Orion der Sirius auf und funkelt bald wie ein Diamant auf uns herab. Mit nie gesehener Helligkeit folgt die Venus als „Morgenstern“ und zeichnet ein silbriges Band auf die Biskaya. Langeweile? Bis jetzt nicht eine Sekunde. Ausguck halten, die Natur erleben, Lesen, Tee machen, mal eine Kleinigkeit essen, zwischendurch ein Nickerchen halten usw. – und wieder von vorne. Bordroutine setzt ein, wir haben keinen Wachplan und werden auch keinen haben. Um 22.10h können wir endlich die Maschine abstellen. Der Wind weht aus SO um 3 Bft und die Segel übernehmen den Antrieb wieder alleine. Leider geht es nur bis um 12.50h gut. Der Wind hat weiter nach Süd gedreht und wir müssen die Genua 1 einrollen und den Motor wieder zu Hilfe nehmen. Um 17.00 werden 20Ltr. Diesel in den Tank gefüllt und er ist wieder voll. Die Bedingungen werden sich verschlechtern und es ist schlecht tanken, wenn das Gangbord ständig unter Wasser steht. Um 17.55h können wir den Motor wieder abstellen und es geht mit vollen Segeln hoch am Wind weiter, inzwischen ist viel Salz an Deck!
Um 20.45h empfange ich noch einmal das aktuelle Wetter für unser Seegebiet. Keine guten Aussichten aber, viel wichtiger, auch keine Wetterwarnungen. Wind max 5-6 Bft., leider fast genau von vorn! Es wird ungemütlich, aber Avalon nimmt’s gelassen. Wenn sie doch nur nicht diese Angewohnheit hätte, immer wieder mal in einer Welle nach zu schauen, ob noch Wasser drin ist. Wenn sie’s gefunden hat, schaufelt sie es mit Schwung nach achtern und wäscht sich ihr Deck – und manchmal uns! Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass sie bis auf diese Unart wunderbar weich durch die Seen geht und ich glaube, sie mag den Ozean.
27.09.2017
Um 03.30h kommt der Wind noch spitzer. Die Maschine muss wieder ran und die Genua 1 weg. Zusammen mit dem inzwischen 2-fach gerefften Groß geht’s unter Motor weiter. Die Biskaya zeigt sich ungemütlich aber wir machen nicht den Fehler, voll gegenan zu halten. Wenn’s mal sein muss fahren wir eben mit nur 3,5 Kn ü.G., aber immer Richtung Ziel. Noch liegen wir gut im Schnitt. So geht der Tag vorbei….
28.09.2017
In der Nacht hat der Wind etwas abgenommen und wir reffen bis auf’s 1. Reff aus. Safety first! Nur nicht übermütig werden bei immer näher rückendem Ziel. Leider muss der Motor weiterhin die meiste Arbeit leisten und bringt uns um 09.24h ins Ziel. Nach 72 Std. und 24 Min. fest in der Marina Coruna. 24 Min länger als geplant, kann sich bei den zuletzt schlechten Bedingungen sehen lassen! Wir sind überglücklich und sehr müde. Wir erledigen noch schnell die Hafenformalitäten und schlafen dann erst mal ein paar Stunden, natürlich erst nach dem obligatorischen Anlegebier :-).
Der Schlaf hat gut getan und wir starten zu einer ersten Erkundung der Stadt und kaufen ein.
gefahrene Meilen: 354






