Samstag, 17.03.2018 bis Montag, 02.04.2018
Hafentage in Pointe-à-Pitre, „Winterarbeit“ im Boat Yard
Nach 14 Tagen das erste Frühstück allein. Baguette und Croissant, echt französisch und wirklich lecker, wollen nicht so richtig schmecken. Ich muss mich neu sortieren, meine Gedanken richten sich auf das Kommende und ich beginne, mich im Internet und per E-Mail nach Preisen für die anstehende Bootsüberholung zu erkundigen. Geplant ist, die Arbeiten in Sint Maarten zu machen und anschließend von dort die Rückreise anzutreten. Meine Anfragen ergeben, dass Sint Maarten ein recht teures Pflaster ist und Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen.
Hier in der Marina Bas du Fort gibt es auch einen Boat Yard mit Travellift und man sieht dort viele Bootseigner, die die Arbeiten an ihren Booten selbst erledigen. Ich erkundige mich beim Dockmaster, ob ich das Boot hier überholen kann. Seine Antwort ist nicht gerade ermutigend. Da der Boat Yard zur Marina gehört, müsse ich mich in der Capitainerie auf eine Warteliste setzen lassen. Am Mittwoch, 21.03.2018, gehe ich vormittags zur Capitainerie und frage nach, wann das Boot in die Werft kommen könnte. Zunächst lautet die Auskunft, dass ich 4 Wochen Wartezeit hätte. Schock! Resignation will sich schon breit machen und in Gedanken sehe ich mich an irgend einem Ankerplatz das Unterwasserschiff schrubben, als die Dame hinterm Schalter sich mir noch einmal zuwendet und sagt, dass ich entweder in 4 Wochen in die Werft könne oder heute Nachmittag. Ich solle es mir aber gleich überlegen. In den letzten Tagen bin ich viel im Boat Yard „herumgeschlichen“ und habe mich in allen einschlägigen Geschäften umgesehen. Die Materialbeschaffung ist kein Problem, ich kann für kleines Geld im Boat Yard auf dem Boot wohnen und die Sanitärs der Marina nutzen. Also Planänderung. Das Boot wird nicht in Sint Maarten überholt, sondern hier in Pointe-à-Pitre. Ich teile der Dame meinen Entschluss mit und wir einigen uns auf den Krantermin heute um 17.30h. Ich bin sehr glücklich über diese Wendung und auch darüber, dass ich nun für die kommenden Tage „was um die Ohren habe“ und von meinem Allein sein abgelenkt bin.

Ein bisschen grüner Bart am Wasserpass, ein paar kleine Seepocken und Algenbewuchs. Die Taucherei mit Spachtel und Schleifmatte war nicht umsonst

Das Unterwasserschiff ist gewaschen und geschliffen, Wasserpass und Saildrive sind abgeklebt, alles klar zum Antifoulingstreichen

Abendstimmung im Boat Yard. Von meinem „Hochsitz“ aus habe ich eine imposante Aussicht über den Yachthafen hinweg auf die Berge von Basse-Terre

Und wieder geht ein Tag zu Ende. Es wird ruhig im Boat Yard und der Ausblick entschädigt für den Lärm und Staub des Tages. Hier schleifen alle trocken und ohne Absaugung
Nach sechs Tagen im Boat Yard geht es am 28.03.2018 endlich wieder zurück ins Wasser. Ich werde noch ein paar Tage in der Marina bleiben und bekomme wieder einen Liegeplatz am „alten“ Schlengel. Das Boot muss gründlich gereinigt werden, der Schleifstaub vom Boat Yard liegt nicht nur an Deck, er hat sich auch unter Deck überall breit gemacht.
Für den Blog muss viel aufgearbeitet werden und ich richte auf dem sauberen Boot mein Büro ein.
Dienstag, 03.04.2018 – Verholen auf den Ankerplatz vor der Ilet A Cochons
11.40h Anker fällt auf 5m Wassertiefe
gefahrene Meilen: 1
Mittwoch, 04.04.2018 – von der Ilet A Cochons nach Terre de Haut, Iles des Saintes
06.05h Anker auf, Wind Ost, 2 Bft, Fahrt mit Großsegel und Motor
06.40h Wind geht auf 4-4,5 Bft, 1. Reff im Groß, Genua 1 voll, Motor aus
08.00h Wind um 3 Bft, dann 3-4 Bft, dann wieder 3 Bft
09.45h Was ist das?! Ich sehe zwei mal den Blas eines Wales! Leider ist es bestimmt eine Meile entfernt und von dem Wal sehe ich nichts.
10.30h fest an Mooring-Boje in der Anse du Bourg auf Terre-De-Haut
gefahrene Meilen: 22
Donnerstag, 05.04.2018
Gerade mache ich Frühstück als ich sehe, dass die „Sea Cloud“ in die Bucht einläuft. Vor ca. 5 Wochen, am 27.02., ist sie kurz vor dem Ablegen gekommen.
Nach dem Frühstück mache ich mich auf zum Fort Napoleon. Es liegt auf dem Berg am nördlichen Ende der Anse du Bourg und der nicht ganz unbeschwerliche Anstieg zum Fort wird durch fantastische Aussichten belohnt.

Die Sea Cloud mal von oben gesehen, darüber der Zuckerhut, links neben dem Zuckerhut auf der Seite der Boote liegt die kleine Bucht, zu der ich einige Wochen zuvor gewandert bin. Schnellfähren mit Tagesgästen streben auf den Anleger zu

In der letzten Kehre auf dem Weg zum Fort Napoleon öffnet sich ein großartiger Ausblick nach Norden. Im Hintergrund in der Bildmitte das südwestliche Kap von Guadeloupe, der Pointe de Vieux Fort
Ich umrunde das Fort auf der Außenbefestigung. Hinein gehe ich nicht da es mittlerweile viel Gedränge durch die Tagestouristen gibt, die mit Scootern oder kleinen Elektroautos den Berg gestürmt haben.
Auf dem Rückweg vom Fort mache ich einen kleinen Abstecher nach Marigot, einem ehemaligen Fischerdorf. Es gibt zwar noch immer Fischer, aber mittlerweile deutlich mehr Touristen, die in neuen Ferienwohnungen und Resorts untergebracht sind.

Ich bin wieder auf Meeresniveau und in Marigot angekommen. Der Blick von oben hatte mich neugierig auf diesen Ort gemacht
Nach diesem Abstecher gehe ich zurück in Richtung Dingidock. Bevor ich zum Boot zurück fahre will ich noch ins Touristenbüro um nach dem Segelmacher zu fragen, der auf einem Boot in der Nähe des Dingidocks für sich wirbt. Und jetzt kommt’s, der Segelmacher hat seine Werkstatt in – Marigot! Super! Also Kommando zurück und wieder nach Marigot gestiefelt, wo ich den Segelmacher tatsächlich auf Anhieb finde. Die Werkstatt ist offen im wahrsten Sinn des Wortes und der Segelmacher zum Glück anwesend. Ich erkläre ihm, dass meine Genua am Unterliek überarbeitet werden müsse und er nimmt den Auftrag zu meiner großen Freude an. Er will das Segel noch heute um 17.00h am Dingidock abholen. Toller Service!
Kurz vor 17.00h bin ich mit Segelsack am Dingidock und mein Handy klingelt. Ich denke es ist der Segelmacher um mir mitzuteilen, dass er nicht pünktlich kommt aber nein – mein alter Segelfreund Joachim ist dran um mir mitzuteilen, dass er mit mir zusammen die Ozeanüberquerung von West nach Ost machen will! Er kommt am 20.04.2018 nach Antigua und ich freue mich sehr darüber, dass ein guter Freund und Segler auf diesem Törn dabei ist. Während wir telefonieren kommt der Segelmacher, für karibische Verhältnisse geradezu unverschämt pünktlich, und ich muss das Gespräch mit Joachim leider beenden.
Morgen soll das Segel fertig sein und wir wollen uns zur Übergabe morgen um 13.00h am gleichen Ort wiedertreffen.
Freitag, 06.04.2018
Am Vormittag mache ich einen kleinen Rundgang und ich gehe noch einmal zum Segelmacher. Nicht um ihn zu treffen, ich möchte ein Bild von der Werkstatt machen, was ich beim ersten Besuch versäumt habe.

Terre-de-Haut von Süden aus gesehen, hinten der Berg mit dem Fort Napoleon und im Hintergrund Basse Terre von Guadedeloupe

Pelikan auf Fischerboot, diese plump wirkenden Vögel sind außerordentlich elegante Flieger und stürzen sich blitzschnell ins Wasser, um Fische zu erbeuten
Mittlerweile ist es kurz vor 13.00h und ich gehe zurück zum Dingidock, um den Sgelmacher zu treffen. Er ist wieder super pünktlich, zeigt mir seine Arbeit und ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich sehe.
Nachmittags relaxe ich und hole dann Schnorchel und Schwimmflossen raus. Ganz in der Nähe sind Korallenriffe und die will ich mir ansehen. Ich nehme meine GoPro und mache folgendes Video im Riff.
Gegen Abend fahre ich noch einmal mit dem Dingi an Land, schlendere die jetzt fast menschenleeren Straßen entlang und verweile zum Sonnenuntergang am Hauptanleger des Ortes. Ein überaus „erfolgreicher“ Tag geht zu Ende und wird mit diesem Naturerlebnis gekrönt.

Sonnenuntergang mit Livemusik. Kitsch? Grandios? Traumhaft? Egal, solche Momente zählen – und bleiben
Samstag, 07.04.2018 von Terre-de-Haut nach Rivière Sens
08.00h Leinen los von Mooring
Es geht nur mit Genua bei Wind um 4Bft aus Ost mit bis zu 5Kn Richtung Rivière Sens im Südwesten Guadeloupes. Kurz vor dem Kap sehe ich ein letztes Mal Dominica. Bye, bye, Isle of Nature.
10.45h fest in Rivière Sens
Den Anleger versaue ich gründlich aber Werner, Skipper der HR 37 „Thyra“ an der ich längsseits gehe, hilft mir beim Festmachen. So haben wir uns jedenfalls schon mal kennengelernt.
Abends sitzen wir noch auf der „Thyra“ zusammen auf ein Bier und unterhalten uns angeregt. Werner ist mit der ARC über den Atlantik gekommen, es gibt also viel zu erzählen und es kommt noch ein zweites Bier auf die Back.
gefahrene Meilen: 11














