Mittwoch, 28.02.2018 bis Freitag, 16.03.2018
Hafentage in Pointe-à-Pitre und Ausflüge mit meinem Besuch
Wie üblich erkunde ich auch von der Marina Bas du Fort aus die nähere Umgebung zu Fuß und mache mich dazu auf den Weg zum Zentrum von Pointe-à-Pitre. Mir fällt bald eine Böschungsbefestigung der besonderen Art auf. Baumwurzeln halten das brüchige Gestein zusammen und Wurzeln und Gestein ergänzen sich zu einem stabilen Verbund. Vielleicht hat dieses oder ein ähnliches Beispiel der Natur den Franzosen Joseph Monier zu seiner Erfindung inspiriert, Beton mit Stahl zu armieren. Monier war Gärtner und ärgerte sich, dass die Pflanzkästen aus Beton zu oft brachen.
Mein Weg führt mich weiter am Wasser entlang und bald stehe ich vor einem imposanten Gebäude. Es ist das 2015 eröffnete Museum der Sklaverei, das Memorial ACTe. Mein erster Gedanke ist, dass weniger manchmal mehr ist.

Im Hintergrund vor den Bergen der Industriehafen, rechts die Kreuzfahrtschiffe und im Vordergrund kleine Fischerboote, Pointe-à-Pitre ist eine pulsierende Stadt
Samstag, 03.03.2018
Nachmittags um 16.15h gehe ich zu Fuß zum Flughafen, um Katja, Andi, Hans und Levi abzuholen. Es sind etwa 8 km, die zunächst durch die Stadt und dann durch Vororte von Pointe-à-Pitre führen. Dabei komme ich durch Gegenden, die ich nachts nicht unbedingt allein gehen möchte.
Nach der Hälfte des Weges setzt plötzlich sintflutartiger Regen ein. Zunächst versuche ich es mit Unterstellen, aber die Zeit drängt allmählich und ich gehe weiter. Nach 10 Min. bin ich bis auf die Haut nass und in den Schuhen „quatscht“ das Wasser. Kurz vor Erreichen des Flughafens lässt der Regen nach, super Timing. Zu allem Überfluss hat der Flieger fast eine Stunde Verspätung und im Flughafengebäude ist es mir wegen der Klimaanlage und meiner nassen Klamotten zu kalt, also warte ich draußen. Als ich Katja, Andi, Hans und Levi endlich in meine Arme schließen kann, bin ich fast trocken und wir machen uns umgehend mit dem Taxi auf den Weg zum Hafen. Nachdem alle Sachen an Bord verstaut sind, gönnen wir uns in einem nahegelegenen Lokal eine Pizza und stoßen auf die Ankunft und auf einen schönen Aufenthalt an. Zurück an Bord sind bald die Kojen gemacht und es kehrt Ruhe ein auf Avalon.
Sonntag, 04.03.2018
Nach dem Frühstück gehe ich zur Capitainerie um zu klären, ob wir den Liegeplatz für einen Ausflug verlassen und abends wieder dorthin zurückkehren können. It`s no problem! Wir machen alles klar zum Auslaufen und fahren zum Baden und Schnorcheln zur kleinen Ilet Du Gosier. Geankert wird westlich der Insel. Ich muss zweimal fahren um uns alle an Land zu bringen. Drei Erwachsene und 2 Kinder zusammen sind zu viel für das kleine Dingi! Es ist Sonntag und auf der Insel ist der Bär los. Neben den Ankerliegern wird die Ilet Du Gosier hauptsächlich von „Festlandtouristen“ bevölkert, die mit kleinen Ausflugsbooten angelandet werden. Am Nachmittag lichten wir den Anker und fahren zurück in die Marina Bas du Fort, wo wir auf „unserem“ Liegeplatz festmachen.

Der Screenshot von unserem Ankerplatz zwischen Insel und Festland an der Ilet Du Gosier ist erst ein paar Tage später entstanden
gefahrene Meilen: 7,5
Montag, 05.03.2018
Heute muss ich mich zunächst um den Motor kümmern. Katja und Andi haben mir eine neue Motorelektronik mitgebracht, die ich gleich nach dem Frühstück montiere. Alle Motorfunktionen wie Starten, Abstellen, Alarme usw. funktionieren wieder, nur das Display ist schwach und kaum leserlich. Da ist noch Redebedarf mit der Volvo-Vertretung vorhanden und weitere Nachbesserung nötig. Aber damit warte ich bis zu Hause. Inzwischen habe ich erfahren, dass ich nicht der Einzige bin, der Elektronikprobleme bei einem neuen Volvo-Motor hat!
10.40h Leinen los in der Marina Bas du Fort mit Ziel Saint-Francoir im Südosten von Guadeloupe. Zunächst schönes Segeln bei nördlichen (!) Winden 3-4 Bft und erstmals seit langem mit einem ungerefften Großsegel und voller Genua. 7 Meilen vor Saint-Francoir gibt`s leider einen Winddreher auf Nordost und die Genua muss weg. Dafür läuft jetzt der Motor mit. Wir wollen Saint-Francoir erreichen, bevor der Wind weiter auf Osten dreht und zunimmt, was er laut Wetterbericht tun soll.

Auf dem Weg nach Saint-Francoir. Im Hintergrund die Berge von Basse-Terre, dem westlichen Teil von Guadeloupe

Gestrandete Boote rechts von der Hafeneinfahrt. Den Namen u. Heimathafen am Spiegel des Bootes vorne habe ich unleserlich gemacht, es ist ein deutsches Boot
15.00h fest in der Marina Saint-Francoir. Ein netter Hafenmitarbeiter hat uns mit seinem Boot von der Hafeneinfahrt bis zum Liegeplatz geleitet und auch beim Festmachen geholfen. Der ebenfalls sehr nette Hafenmeister ist überaus mitteilsam und gibt uns innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Infos, die sich allerdings kein Mensch alle auf einmal merken kann.
gefahrene Meilen: 19
Dienstag, 06.03. bis Mittwoch, 07.03.2018 – Hafentage in Saint-Francoir

Am Strand vor dem Ankerplatz von St. Francoir. Levi, der kleine Strandpirat, ist voll in seinem Element
Donnerstag, 08.03.2018 – Ankern vor St. Francoir
10.50h Leinen los und Fahrt zum Ankerfeld vor der Hafeneinfahrt
11.10h Anker fällt auf 3,5m Wassertiefe

Unser Ankerplatz in St. Francoir. Das Grüne am unteren Bildrand und rechts sind die Korallenriffe, die den Ankerplatz vor Seegang schützen und vor allem in der Nacht für eindrucksvolles Brandungsrauschen sorgen. Nach Osten hin gibt’s nur noch den offenen Atlantik!
Freitag, 09.03.2018
09.08h Anker auf mit Ziel St. Anne. Mit raumen Wind und 5 Bft geht`s nur unter Genua 1 in Richtung St. Anne. Wir wollen dort ankern und die Nacht verbringen. Auf dem Weg nach St. Francoir sind wir vor drei Tagen an dem Ankerplatz vorbei gekommen und haben dort viele Ankerlieger gesehen. Wir nähern uns St. Anne und sehen lediglich drei Boote vor Anker liegen. Kein gutes Zeichen. Als wir den Ankerplatz durch eine recht enge Riffpassage erreichen wird schnell klar, dass wir hier nicht liegen wollen. Die vorgelagerten Korallenriffe bieten nicht genügend Schutz und wir wollen uns die Schaukelei nicht antun.
Ein neues Ziel ist schnell gefunden. Wir fahren weiter Richtung Point-à-Pitre und ankern nah am Fahrwasser nördlich der Ilet Å Cochons.
13.30h Anker fällt auf 6m Wassertiefe
gefahrene Meilen: 20

Avalon vor Anker an der Ilet Å Cochons. Im Hintergrund die Skyline von Pointe a Pitre. Hinter den Bäumen rechts im Bild liegt die Marina Bas du Fort
10.03.2018 und 11.03.2018 – Ankertage vor der Ilet Å Cochons
Heute gehen wir auf Entdeckungstour. Die Insel ist nicht sehr breit und wir wollen sie bis zum gegenüberliegenden Ufer an der Südseite überqueren.

Die Ilet A Cochons wird erkundet. Wir sind noch am nördlichen Ufer und suchen einen Weg, der uns auf die Südseite bringt

Unser Ziel für heute – das steinige Südufer ist erreicht. Im Hintergrund sind die Berge von Basse-Terre zu sehen
Wir kehren um und gehen zum Nordufer zurück. Auf dem Weg dorthin „ernten“ Andi und ich noch zwei Kokusnüsse. Dann geht es zurück an Bord.

Alltägliches Bordchaos. Wer Lianen erklettern will, muss dafür trainieren. Levi übt unter der Anleitung von Hans
Montag, 12.03.2018
Gegen Mittag lichten wir den Anker und fahren das kurze Stück zur Marina Bas du Fort. Wir bekommen einen Liegeplatz und buchen einen Leihwagen, mit dem wir in den nächsten Tagen zum Regenwald nach Basse-Terre, zu einigen Badestränden und zum östlichsten Zipfel von Guadeloupe fahren.
gefahrene Meilen: 1
13.03.2018 – Wanderung durch Regenwald in Basse-Terre

Hans kann’s nicht lassen, jede Liane muss er hinauf (vorher natürlich wie immer mit gut 80kg Lebendgewicht getestet!)
Der nächste Tag

Ein Leguan auf dem Weg zum Strand in der Nähe von St. Anne, wo wir vor einigen Tagen ankern wollten. In der Nähe hat der Club Méditerranée ein großes Resort

Relaxen am Strand unter Palmen, ziehende Wolken, kreisende Fregattvögel, Magie des Augenblicks ohne gestern und morgen
Der nächste Tag

Am Pointe de Colibris. Guadeloupe ist hier zu Ende, nach Osten hin erstreckt sich der offene Atlantik

Das Meer an diesem Kap ist etwas „aufgeregt“, Wellensysteme treffen aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander und sorgen für Wellenchaos

In der Marina Bas du Fort. Nie kommt Langeweile auf und schließlich – früh übt sich….. Hans baut eine „Papa-Falle“. Wie sie funktionieren soll erschließt sich mir nicht so ganz aber die Knoten sind schon ganz brauchbar
Fast zwei Wochen zu fünft an Bord sind sind bald vorüber. Eine intensive und für mich sehr schöne Zeit geht zu Ende. Schade, dass Bärbel sie nicht miterleben konnte. Es ist Freitag und der Abschied naht. Wir gehen zusammen mit Sack und Pack an die nahe Straße und bekommen gleich ein Taxi, das Katja, Andi, Hans und Levi zum Flugplatz bringen wird. Ich bin etwas wehmütig als sie wegfahren und gehe nach einem letzten Winken zurück an Bord, wo ich mich wieder an die Stille gewöhnen muss.




















Sehr schöner Bericht, Karl-Heinz.
Habe eure eure Touren quasi miterlebt, vielen Dank dafür!
Weiterhin gute Fahrt und immer die berühmte Handbreit Wasser unterm Kiel!
Viele Grüße
Klaus-Eckart
Lieber Kuddel,
auch für uns war die Zeit auf der Avalon mit dir unvergesslich. Wir danken dir für die tollen Bilder und Berichte- sie haben viele Erinnerungen in uns wach gerufen!!!
Pass auf dich auf! Liebste Grüße von uns 4