Liebe Blogleserinnen und liebe Blogleser,
ich wünsche allen ein frohes und entspanntes Osterfest! Mein Überraschungsei für euch ist dieser aktuelle Blogbeitrag, auf den bestimmt schon viele gewartet haben. Ich hoffe, dass ich ein kleines bisschen von dem, was mich auf Dominica berührt hat, mit diesem Beitrag zu euch rüberbringen kann.
Viel Spaß beim Lesen,
Kuddel
Samstag, 17.02.2018
04.00h morgens, Levi hat Geburtstag (4), 1020 hPa, 22,0°, Regen, früh Aufstehen, um 06.00h soll’s losgehen Richtung Dominica, Hähne krähen, es ist noch stockdunkel…
05.15h Anker auf, es ist immer noch Nacht und in der Abdeckung der Insel nur schwach windig. Das wird sich noch ändern und ich habe das 2. Reff in’s Groß eingebunden. Die Genua ist noch eingerollt und der Motor schiebt uns voran. So werden auch gleich die Akkus geladen und während der Autopilot steuert habe ich Zeit, das Ankergeschirr zu klarieren und alles an und unter Deck seefest zu stauen.
Es wird böig. Windstöße aus unterschiedlichen Richtungen kündigen das Verlassen der Abdeckung von Martinique an und dann ist der Wind da! Nicht mit den angekündigten 5 Bft sondern mit 6 Bft und in Böen mehr! Die Decksdusche beginnt!
10.50h Endlich! Die Abdeckung von Dominica stellt fast schlagartig die Dusche ab und das Deck beginnt allmählich zu trocknen. Eine Wohltat!
15.30h fest an einer Mooringboje in der Prince Rupert Bay in Portsmouth. Gott sei Dank! War ’ne lausige Fahrt, zuerst gab’s Starkwind und es war nass, dann, in der Abdeckung von Dominica, war teilweise zu wenig Wind und es war sehr heiß. Jetzt bin ich aber hier, lasse die neue Umgebung auf mich wirken und genieße das eiskalte Anlegebier in vollen Zügen!

Die erste Nacht in der Prince Rupert Bay beginnt mit einem wundervollen Sonnenuntergang. Der Mond zeigt sich als liegende Sichel und macht das Traumbild perfekt
gefahrene Meilen: 55
Sonntag, 18.02.2018
Selbstverständlich habe ich gestern schon gesehen, wo ich „gelandet“ bin – auf einer weitestgehend zerstörten Insel. Nur war ich gestern zunächst mit mir und mit dem Boot beschäftigt. Ich habe gesehen ohne wirklich zu registrieren und zu realisieren, was mit Dominica passiert ist, als Hurricane „Maria“ mit seinem Auge über die Insel gezogen ist. Dann wurde es bald Abend und die tropische Nacht hat alles zugedeckt…..
Ich frühstücke erst einmal und dann stelle ich fest, dass ich an dieser Mooringboje am südlichen Ende des Ankerfeldes nicht so günstig liege. Das Dingidock ist viel weiter nördlich. Noch während ich überlege was zu tun ist kommt ein Boot längsseits und mir wird ein Ticket für ein Dinner heute Abend angeboten. Ich nehme spontan an und frage gleich, ob beim Dingidock noch eine Boje frei ist. Wenn ich mich beeilte ja, bekomme ich zur Antwort. So sind die 50 EC$ für ein Abendessen mit grilled Chicken und grilled Thuna einschließlich einer heißen Info gut angelegt. Umgehend schmeiße ich die Leinen los und finde tatsächlich die letzte freie Boje, während die ersten Neuankömmlinge von heute das Ankerfeld erreichen….
Am Nachmittag geht’s ins Wasser zum Schnorcheln. Heute ist kein Riff das Ziel sondern ich bleibe ganz in der Nähe. Der Wasserpass wird von Algenbewuchs und das Unterwasserschiff vom beginnenden Pockenbefall und sonstigem Bewuchs befreit. Das geht mit Schleifmatte und Spachtel (Ecken abgerundet) ganz prima und die kleinen Fische freuen sich über eine extra Mahlzeit.
Als ich gerade damit beginne, auch noch die Opferanoden des Propellers zu wechseln, was sich schnorchelnder Weise als gar nicht so leicht entpuppt, entdecke ich auf dem Grund direkt unterm Boot eine ca. 1,5m lange Seeschlange. Jetzt muss ich die auch noch permanent im Auge behalten. Ich habe keine Lust der Schlange zu nahe zu kommen, falls sie mal zum Luftholen auftauchen sollte. Tut sie aber nicht. Am Ende sind alle drei Teile der Anode angeschraubt und kein Teil ist bei der Schlange gelandet.
Letztlich bin ich über 3 Stunden im Wasser und ziemlich geschafft. Mit einem Nachmittagsschläfchen überbrücke ich die Zeit bis 17.30h, dann will ich zum Dinner fahren. Ich bin sehr gespannt, was mich dort erwartet.

Der Stützpunkt von PAYS. Hier befindet sich das Büro und der überdachte Veranstaltungsort (alles in windeseile neu aufgebaut!)
What is PAYS? Click here for further information
Kurzinfo: PAYS steht für Portsmouth Association of Yacht Services. Die Mitglieder verfügen über Boote, unterstützen Yachtcrews in allen Belangen, sind Wassertaxi, organisieren Veranstaltungen wie Barbeques, Sightseeing-Touren, betreuen das Mooringfeld und kassieren natürlich auch. Alles sehr vertrauenerweckend, was man für die Karibik allgemein nicht sagen kann.
Das heutige Barbeque ist die Auftaktveranstaltung einer Aktionswoche von PAYS, in der neben weiteren Barbeques auch Guided Tours veranstaltet werden. Und obendrein sind die Mooringbojen in dieser Woche for free. Super timing, Glück gehabt!
Zur Begrüßung zum Barbeque gibt’s einen Rumpunsch. Es ist 18.00h und der Laden ‚rappelvoll‘. Segler sind halt immer hungrig, durstig, gesellig und wohl deshalb so pünktlich. Die meisten der Anwesenden sind Amis. Ich setze mich auf einen freien Platz und bin gleich im Gespräch mit meinen Tischnachbarn. Angenehm ist, dass man als Segler/in ein gemeinsames Thema hat und es gleich viel zu erzählen gibt. Die Stimmung ist ausgesprochen locker und der Rumpunsch macht den Hunger erträglicher. Doch irgendwann sind Hühnchen und Thunfisch gar und ich bin begeistert. Zu Huhn und Thun wird Reis, diverses Gemüse und pikante Soßen gereicht. Lecker!
Irgendwann sind alle Töpfe und die Grillroste leer. Doch wer glaubt, nun sei die Veranstaltung vorbei, irrt gewaltig. Tische und Bänke werden zur Seite gestellt und schon ist die Tanzfläche im Sand fertig. Die Nacht wird lang – das Fass mit Rumpunsch ist groß….
Montag, 19.02.2018
Gut ausgeschlafen und gefrühstückt begebe ich mich mit dem Dingi an Land. Ich muss zunächst zum Customs Office. Es ist ein gutes Stück zu Fuß bis ans Südende von Portsmouth und ich bekomme einen ersten Eindruck von der näheren Umgebung.

Ein schöner Moment am Indian River, inmitten der Verwüstung. Diese kleinen Herons (Reiher) sind häufig in der Karibik und sie meckern heftig, wenn man sie stört

Blick von der Brücke des Indian River auf das rechte Ufer. Nicht weit von hier entstanden Aufnahmen zum Film „Fluch der Karibik“…..
Nachdem ich das Costoms Office in einem Behelfsbüro endlich gefunden habe, klariere ich ein, und, das ist etwas besonderes in Dominica, gleich wieder aus. Das Ganze für sagenhafte 6 EC$ (etwa 2€), und ich brauche nicht mehr hierher zu kommen! Erleichtert mache ich mich auf den Rückweg.

Blick von der Brücke des Indian River in Richtung Ankerbucht. Im Hintergrund der Cabrits Nationalpark mit seinen Hügeln West- und East Cabrit. Rechts davon, das ganz flache Stück hinter den Booten, ist der Mangrovensumpf

„NOT BECAUSE ONE BOAT SANK IN THE SEA, WILL PREVENT THE OTHERS FROM SAILING“ „Auch wenn ein Boot im Meer versunken ist, wird es andere nicht vom Segeln abhalten“
Eine optimistische Lebenseinstellung ist wohl Grundvoraussetzung, um in diesem permanent von Naturkatastrophen heimgesuchten „Paradies“ zu leben.
Bei Smithy’s Bar und Imbiss, etwa 500m vom Dingidock entfernt und damit nicht allzu weit von „zu Hause“, gibt’s das einzige freie WiFi weit und breit. Hier trifft sich die Seglergemeinde, um den Kontakt mit ihren Lieben zu halten. Ich telefoniere per WhatsApp mit Bärbel. Ihr geht es seit ihrer Rückkehr nicht gut und langsam kommen erste Zweifel auf, ob sie am 03.03. wieder in die Karibik kommen kann. Hans und Levi sind auch krank. Keine guten Nachrichten!
Colagestärkt mache ich mich auf den Weg zum Cabrits Nationalpark, nicht zuletzt um mich etwas von meinen Sorgen abzulenken. Der Park liegt auf der Halbinsel, die die Ankerbucht nach Norden hin abschließt. Zwei bewaldete Hügel, der 171m hohe West Cabrit und der 140m hohe East Cabrit mit einem angrenzenden Mangrovensumpf machen den Park im wesentlichen aus (s. Bild von Indian River-Brücke weiter oben). Ich folge zunächst der Straße Richtung Fort Shirley.
Fort Shirley ist strategisch günstig am Südhang des West Cabrit zum Schutz der Bucht angelegt worden. Auf dem Weg dorthin sind folgende Bilder entstanden.

Die Ankerbucht von Portsmouth. Wenn man genau hinschaut, erkennt man im Hintergrund die kahlen Bäume an den Berghängen

Avalon an ihrem Liegeplatz. Darüber ein typisches Boot der PAYS-Leute. Außerhalb der Segelsaison fahren sie damit auch zum Fischen raus

Die Mauern von Fort Shirley, stripped trees, wie die Amis treffend sagen, und gepflegter Rasen. Fast etwas surreal, hier, inmitten der Karibik

Ein Bartgimpelfink. Der als zutraulich bekannte Vogel verfolgt mich ein Stück durch das Fort, hofft scheinbar auf Futter

Alte Geschütze und ein neues Segelschiff der monegassischen Reederei Star Clippers SAM, das hier ankert. Die Gäste werden mit Beibooten an Land gefahren und legen dazu am Dingidock an. Sind zum Glück nicht viele….
Vom Fort aus gibt es nur noch einen schmalen, stein- und wurzelreichen Pfad bis hinauf zum Gipfel des West Cabrit auf 171m Höhe. Die Räumung der Pfade im Nationalpark muss mit hoher Priorität erfolgt sein. Die vielen abgesägten Stämme und Äste am Rand des Pfades machen gleichzeitig den hohen Aufwand deutlich, der hier betrieben wurde. Da erscheinen die 5€ Eintritt für den Park doch recht bescheiden.

Noch etwas unterhalb des Gipfels an einer Kehre gibt es einen freien Blick aufs Meer. Hinten ist Guadeloupe mit den vorgelagerten Iles de Saintes zu erkennen, mein nächstes Ziel auf dieser Reise.

Wer das Bild davor genau betrachtet hat, hat den Segler schon gesehen, der in der Guadeloupe Passage bei 7 Bft mit mindestens 2-fach gerefftem Groß Richtung Guadeloupe unterwegs ist. Die Brecher oberhalb des Bootes sind schon deutlich größer als das Boot, da kann es nass werden. Muss man nicht haben, geht aber…
Ich gehe weiter hinauf und sehe viele Geckos, aber wenig Vögel. Auffällig sind die vielen karibischen Einsiedlerkrebse, die an Land leben. Sie haben zwar Kiemen, führen das nötige Wasser zur Kiemenatmung aber mit sich und würden unter Wasser ertrinken!

Gruppenbild mit karibischen Einsiedlerkrebsen. Sie leben vornehmlich in Schneckengehäusen und die äußerst wehrhafte blaue Schere schützt den Eingang
Noch vor Sonnenuntergang bin ich zurück an Bord und beschließe, morgen die Wasserfall-Tour mitzumachen.
Dienstag, 20.02.2018
Heute ist frühes Aufstehen angesagt. Ab 08.00h kann man sich für die Wasserfall-Tour im Büro von PAYS anmelden, die um 09.00h beginnen soll. Bis die nette Dame erscheint ist es 08.30h und die Tour beginnt folgerichtig um 09.30h. Ziemlich pünktlich für karibische Verhältnisse. Die Teilnehmer werden auf zwei Kleinbusse verteilt und los geht’s. Unsere Gruppe besteht aus einem amerikanischen Ehepaar, einer Kanadierin, drei Solo-Amis und einem Solo-Deutschen. Die Solo-Amis sind Brian, Chuck und Rubin, wir haben uns schon am Sonntag beim Barbeque kennengelernt. Roger, unser Fahrer und Guide, der mich ein wenig an Barak Obama erinnert, erzählt zunächst von sich. Er beschreibt sich als ausgesprochenen Mischling. Seine Vorfahren seien Schwarze, Indios und weiße Europäer gewesen. Er erzählt viel von sich und seinem Land. Mehrmals erwähnt er, dass es ihm sein Herz bricht, wenn er die Zerstörungen der Häuser, der Infrastruktur und der Natur sieht. Dominica ist 2017 gleich zweimal schwer getroffen worden. Der Hurricane „Erica“ brachte enorm viel Regen und die über die Ufer getretenen Flüsse haben halbe Dörfer, Brücken und Straßen einfach weggespült. Wir sehen es unmittelbar, fahren über viele Behelfsbrücken, müssen Erdrutsche umfahren und zirkeln knapp an teilweise ungesicherten Straßenabbrüchen vorbei. Roger ist ein guter Fahrer. Wir erfahren von ihm, nicht ohne Stolz in der Stimme, dass er für seinen Job eine besondere fahrerische Ausbildung absolvieren musste. Die größten Zerstörungen und Verwüstungen brachte dann der Hurricane „Maria“, der mit Urgewalt über Dominica hergefallen ist. Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben, um diese Kräfte zu begreifen. Da liegen z.B. Kühlschränke mitten im Wald, mehrere hundert Meter entfernt von den nächsten Häusern. Und man sieht sie nur deshalb, weil die Bäume kahl sind und den Blick freigeben. Alle kleineren Äste mit dem Laub daran hat der Sturm einfach ausgerissen. „The trees are stripped“ sagen die Amis. Selbst die vielen Vögel, die vor dem Hurricane hier gelebt haben, sind größtenteils buchstäblich vom Wind verweht und nicht mehr da, erzählt Roger. Er meint, die Natur wird zehn Jahre benötigen, um sich zu erholen. Zehn Jahre, denke ich – und der nächste Hurricane?
Mittlerweile haben wir die Insel von Portsmouth aus nach Osten zum Atlantik hin durchquert und machen einen ersten Stopp in einem Fischerdorf an der Atlantikküste. Die Ostküste ist rauher und felsiger als die Westküste, sie erinnert mich ein wenig an die Bretagne.

Das Fischerdorf, hier hat „Maria“ mit ungebremster Gewalt zugeschlagen, das Dorf stand teilweise meterhoch unter Wasser
Wir fahren weiter und folgen der Küstenstraße in Richtung Süden

Die Landschaft ist grün. Es sind die Bodenpflanzen, die vom vielen Licht profitieren. Selbst die Palmen sind überwiegend nackt und geben keinen Schatten
Die Palmen haben nicht nur ihre Kokusnüsse verloren, sie haben wegen der fehlenden Wedel auch nicht genügend Energie, um schnell neue Nüsse zu produzieren. Dies führt zu einem großen Einbruch in der Palmölindustrie Dominicas. Es müssen Kokusnüsse teuer importiert werden, damit die Produktion überhaupt am Laufen gehalten werden kann und die Beschäftigten nicht entlassen werden müssen.

In diesem notdürftig zusammen geflickten Restaurant, dem „Daniel Cassava Shop“, kehren wir zum Lunch ein. Roger erklärt die Gerichte und gibt einiges über Daniel, dem Wirt, zum Besten.
Cassava ist übrigens der lateinamerikanische Name bzw. die Bezeichnung für Maniok. Daniel ist ein Spezialist für die Verarbeitung der Maniokwurzel. Er stellt neben Mehl noch einige andere Dinge, u.a. auch Alkohol, aus der Wurzel her. Die Produkte kann man bei ihm kaufen und so erklärt sich auch der Name seines Restaurants. Ob die Cassava-Produkte sein Hauptgeschäft darstellen, ist uns nicht klar geworden.

Unsere kleine Reisegruppe: v.l. Hank Schmitt, Rubin, Hanks Frau, Chuck, Daniel, die Kanadierin, Brian und ich
Zu essen gibt es entweder Chicken Stew, Curry Chicken oder Saltfish. Dazu gibt`s Reis, unterschiedliche Gemüse und selbstverständlich Cassava, gekocht wie Kartoffeln. Ausgesprochen lecker das ganze!
Die Rechnung kommt und wir legen alle zusammen etwas in einen Topf. Da ist bestimmt ein gutes Trinkgeld für Daniel mit drin. Er hat es sich verdient!
Gestärkt und guter Dinge verlassen wir nun die Atlantikküste und es geht weiter Richtung Canefield, zurück zur Westküste.

Wir kommen an diesem total zerstörten Haus vorbei. Ob die Palme im Vordergrund sich jemals erholt, ist fraglich
Der nächste Halt auf unserer Tour ist am berühmten Emerald Pool, einer „Badewanne“ in den Felsen am Fuß eines Wasserfalls. Wir haben Glück, es sind gerade nicht so viele Besucher da und wir haben dieses einmalige Naturerlebnis fast für uns allein.

Auf dem Weg zum Pool entdecke ich diesen einsamen Kolibri. Verstecken kann er sich nicht mehr so gut, auch dazu fehlen die Blätter an den Bäumen

Der Weg führt durch einen „lichten Wald“, der vor „Maria“ ein dichter, grüner Regenwald war. Mit den Blättern an den Bäumen keimt auch die Hoffnung der Menschen in Dominica

Immer weiter hinab führt der Weg zum Pool. Selbst vor den Schluchten hat der Hurricane nicht halt gemacht
Leider kann ich nicht mit in den Pool, weil ich mich heute morgen beim Aussteigen aus einem PAYS-Boot am Schienenbein ziemlich stark verletzt habe. Mist! Den anderen macht es einen riesigen Spaß, in diesem Pool mit Dauerdusche zu planschen und zu schwimmen. Ich gönne es ihnen und erkunde derweil die Gegend.
Ich frage mich immer wieder, wie es hier am Emerald Pool von Dominica wohl vor „Maria“ ausgesehen hat. Hier könnt ihr die Antwort finden.
Wir fahren weiter bis zur Hauptstadt Roseau. Roger zeigt uns den Regierungssitz, ein von China finanziertes Gebäude, das wie eine Miniatur des Weißen Hauses aussieht. Roger hat auch ein eigenes Interesse, Roseau zu besuchen (steht nämlich nicht auf dem Tourplan). Seine Freundin arbeitet hier im Ministerium für Landwirtschaft und Touristik und er möchte kurz bei ihr vorbei schauen (schau an, schau an, da kann man ja so einiges vermuten…:-) Wir sind ihm nicht böse und gehen ein wenig durch die quirligen Straßen von Roseau. Im Auto haben wir lange genug gesessen.
Auf dem Rückweg nach Portsmouth kommen wir, noch innerhalb von Roseau, in Hafennähe an einem geschichtsträchtigen Gebäude vorbei. Es ist nahezu unverändert erhalten und hatte zur Zeit des Sklavenhandels eine zweifelhafte Bedeutung. Rubin glaubt, dass hier seine Vorfahren nach der Überfahrt von Afrika erstmalig an Land gegangen sind. Er ist sichtlich bewegt beim Anblick des Gebäudes. Für mich bekommt der Sklavenhandel und die Sklaverei durch dieses unmittelbare Erlebnis zusammen mit einem Betroffenen eine neue Dimension. Das schwer Vorstellbare wird etwas greifbarer, kommt näher und berührt mehr.

In dieses Gebäude wurden die Sklaven direkt aus dem Schiff gebracht, um sie hier „marktfertig“ zu machen
Wir fahren weiter und es ist eine Zeitlang recht still im Kleinbus. Roger meistert die Situation perfekt, indem er an einem Markt hält und sich lautstark mit den nicht minder lauten Marktfrauen unterhält. Keiner von uns versteht, was sie sich zurufen. Englisch ist es jedenfalls nicht. Roger und die Marktfrauen lachen herzhaft und dieser Ausdruck von Lebensfreude, den man in der Karibik oft erlebt, lässt unsere gedrückte Stimmung augenblicklich verfliegen.
Die Westküste, an der ich auf dem Weg nach Portsmouth ja schon entlang gesegelt bin, sehe ich nun aus der Nähe. Vom Boot aus war mir als erstes aufgefallen, dass die Wälder aus der Ferne so farblos wirkten, wie mit einem Grauschleier überzogen. Jetzt sehe ich, es ist die grau schimmernde Rinde der Bäume. Die vielen blauen Dächer der Häuser, die ich von weiten sah, entpuppen sich jetzt als Plastikplanen, die die Häuser vor Regen schützen. Mit dem Fernglas konnte ich vom Boot aus riesige Müllhalden ausmachen. Jetzt sehe ich im Vorbeifahren, dass auf diesen Halden unvorstellbare Mengen diverser Häuser- und Dachteile entsorgt wurden.
Wir nähern uns allmählich Portsmouth und als ich ins Dingi steige und zum Boot übersetze, ist es kurz vor Sonnenuntergang.
Mittwoch, 21.02.2018
Heute mache ich Wanderungen. Ich beabsichtige, den Mangrovensumpf bei den Cabrits zu umwandern. Nach einigen Kilometern stehe ich vor einer Baustelle an der Nordseite des Sumpfes, die ein Weiterkommen unmöglich macht. Es ist alles komplett abgeriegelt. Also gehe ich den gleichen Weg zurück und gehe jetzt rechts herum. Mir ist klar, dass ich irgendwann wieder auf die Baustelle stoße, aber dann habe ich jedenfalls mein Ziel erreicht und den Sumpf von allen Seiten gesehen (und das gleich zweimal).
Zum Abend habe ich mich wieder bei PAYS zum Barbeque angemeldet. Wie beim ersten Mal am Sonntag ist alles wieder vorzüglich. Ich unterhalte mich an diesem Abend lange mit Brian. Er kommt aus einer Kleinstadt am Eriesee und hat einen 8m-Langkieler und ein 6m Regattaboot. Seine Frau segelt nicht so gerne, aber seine Tochter ist begeisterte Seglerin. Hier ist er zusammen mit Chuck und Rubin auf der „Avocation“, einer Swan 48, deren Eigner Hank Schmitt ist.
Auf der Rückfahrt zum Boot passiert mir ein Missgeschick. Das Handy bekommt in einer Welle Salzwasser ab, obwohl es in einer wasserdichten Hülle steckt. Shit!
Donnerstag, 22.02.2018
Noch vor dem Frühstück versuche ich nochmals, dass Handy wieder zum Leben zu erwecken. Zwecklos. Salzwasser und Elektronik mögen sich einfach nicht. Bärbel krank, Handy im Eimer und keine Verbindung nach Hause, das geht nicht! Am späten Vormittag mache ich mich auf den Weg, ein neues Handy zu besorgen. Der Handyladen ist klimatisiert und verfügt über WiFi. Beste Bedingungen, um ein jungfräuliches Handy in drei Stunden zu meinem Handy zu machen. Alle Kontakte, WhatsApp-Chats, Bilder, E-Mails, Apps, Karten für Navi_App und was weiß ich nicht alles lade ich aufs Handy. Google sei Dank!
Auf dem Rückweg kehre ich noch bei Smithy’s ein, also da, wo’s WiFi gibt. Auf dem Weg ist mir natürlich so einiges eingefallen, was ich noch auf’s Handy laden muss, und eine kalte Cola wird mir sicher auch gut tun. Auf der Suche nach einem schattigen Sitzplatz entdecke ich Brian, der zusammen mit Schweden Frederik an einem Tisch sitzt. Nach ‚hello‘ und ‚how are you‘ entschuldige ich mich und beschäftige mich erstmal mit meinem neuen Handy damit ich das, was mir unterwegs eingefallen ist, nicht wieder vergesse. Später klinke ich mich in die Unterhaltung der beiden ein. Fred ist single-handed in einem 6m Boot unterwegs und Brian und mich interessiert es sehr, wie er die langen Passagen über den Ozean allein bewältigt. Mit seinen Antworten erinnert Fred mich sehr an Wilfried Erdmann, der in jungen Jahren auch mit nichts anderem als einem kleinen Boot (7,5m) und einem Sextanten als Navigationsgerät die Welt umsegelt hat. Fred hat immerhin „schon“ GPS an Bord, kann unterwegs aber nicht kommunizieren und auch kein Wetter empfangen. Ganz überraschend lädt Brian Fred und mich ein, zum Dinner zu ihm an Bord zu kommen. Und nicht nur das, er wird uns sogar mit seinem Dingi von unseren Booten abholen und wieder zurückbringen. Wir nehmen die Einladung gerne an und verabreden uns für 19.00h.
Wie ich weiter oben schon erwähnt habe segeln Brian, Chuck und Rubin zusammen auf der Swan 48, die Hank Schmitt gehört. Hank ist die nächsten Tage nicht an Bord. Wir sind also zu fünft, als wir uns an Bord der Swan einfinden. Das Boot ist ein Hammer. Es ist schon etwas älter, aber eben eine Swan. Mit solchen Booten, voll ausgestattet mit Salon, Pantry usw. wurden früher Langzeitregatten gesegelt. Heute wäre das undenkbar. Wir sitzen am Salontisch, wo locker acht Personen Platz fänden. Rubin kocht. Es gibt Gemüse aus der Pfanne, dazu Reis und Corned Beef. Eine echte Seglermahlzeit. Nach dem Essen trinken wir noch ein Bier und dann bringt Brian Fred und mich wieder zu unseren Booten. Ein schöner Abend geht zu Ende.
Freitag, 23.02.2018
Heute mache ich eine längere Einkaufstour durch Portsmouth. Zu einem größeren Supermarkt südlich von Portsmouth sind es fast 4 km. Der Supermarkt ist zwar groß, aber trotzdem enttäuschend. Viele Regale sind leer oder nur halb gefüllt, die Auswahl ist begrenzt. Ich beschränke mich auf ein paar Grundnahrungsmittel und packe soviel Müsli, Milch und Bier ein, wie ich im Rucksack tragen kann. Damit mache ich mich auf den Rückweg. In Portsmouth suche ich mir jedes mal neue Wege und so kenne ich bald fast alle Straßen. Zumindest von der Innenstadt. Den Rest des Tages verbringe ich an Bord. Ich lese, putze und mache klar Schiff. Dann bestimme ich schon mal die Route zu den Iles de Saintes, wohin ich Sonntag fahren will.
Samstag, 24.02.2018
Heute ist der letzte Tag auf Dominica. Ich war gerne hier, möchte aber auch bald weiter. Wahrscheinlich wäre ich schon heute gefahren, wenn das Innenministerium und PAYS nicht alle Segler zum Dinner auf Fort Shirley eingeladen hätten. Das möchte ich mir nicht entgehen lassen. Der Innenminister wird anwesend sein und eine Rede halten, der Lokalhistoriker Lennox Honychurch, der für die Restaurierung des Fort Shirley sorgte, wird ebenfalls sprechen und Hank Schmitt stellt ein Video über Moorings in der Region vor. Organisiert wird der Abend von PAYS, dessen Obmann den Abend mit seiner Rede eröffnen wird. Und das Beste am Schluss – es gibt einen Shuttle Service hin und zurück!
Der Abend ist sehr unterhaltsam, kurzweilig und informativ. Ich will an dieser Stelle auch niemanden mit einer ausführlichen Beschreibung langweilen aber eines möchte ich doch anmerken. Alle Redner heben hervor wie sehr sie sich freuen, dass überhaupt wieder Segler kommen und wie wichtig sie für die Ökonomie der Region sind. Erinnert ihr euch noch, was die Leute in der Marina Z’Abricots zu mir gesagt haben als ich sie fragte, ob man Dominica besuchen könne? Richtig! Sie rieten mir ab mit dem Hinweis, Dominica sei so zerstört, dass die Menschen dort noch keine Touristen haben wollen. Gut, dass ich diesem Rat nicht gefolgt bin und mir selbst ein Bild von der Situation gemacht habe.
Ich hoffe und wünsche den Menschen dort, dass die Insel bald wieder DIE Isle of Nature ist, die sie vor „Maria“ war. Good luck, Dominica!
















Moin Kuddel und frohe Ostern!
Hab immer in meine Mails geschaut und auf einen weiteren Bericht von Dir gewartet und mich heute gefreut, dass er da ist.
Danke für Deine spannende Schilderung und die beeindruckenden Bilder! Wo Du wohl inzwischen schon bist?
Mach’s weiterhin gut!
Ralph
Hallo Kuddel schön nach langer Zeit von dir mal wieder zu hören und festzustellen dass deine Begeisterung nach wie vor total da ist. Dann wünsche ich dir weiterhin beeindruckende Erlebnisse. Von hier aus schöne Ostern denn hier ist der erste Ostertag. Liebe Grüsse Maria