SY "AVALON"

Ein Jahr lang Sommer – Von Fort de France nach Saint Pierre

28.01. bis 14.02.2018 – Hafentage in der Marina Z’Abricots

Heute ist der 28.01.2018 und es ist Tag 1 nach Bärbels Abreise.  Zeit für Melancholie gibt es nicht, denn da ist schnell ’ne Andere. Die Andere ist ganz von allein gekommen, auf lautlosen Pfoten und hat sich einfach durch’s Vorluk in meine Koje geschlichen.

Große Überraschung! Eine schwarze Katze liegt in meiner Koje und schaut mich aus unergründlichen Katzenaugen an.

Eine ganze Zeit lang hat sie mich täglich besucht, aber in die Koje hab‘ ich sie nicht mehr gelassen. Später kommen Engländer, ein Herr mit 3 Damen, als neue Stegnachbarn. Die Damen sind ganz entzückt von der Katze und sie fragen mich nach ihrem Namen. Ich muss passen und als ich ihnen erzähle, dass sie wohl auf mehreren Booten hier im Hafen ein und aus geht, taufen sie sie auf den Namen ‚Marina Cat‘. Wie passend, trotzdem irgendwie originell. An Bord der Engländer darf sie nicht, der Skipper lehnt es kategorisch ab. Vielleicht ist er ja allergisch…..

Die Marina Z’Abricots liegt zwar etwas abseits, aber der Service ist gut und sie ist sehr preiswert. Ich beschließe deshalb, ein paar Tage zu bleiben. Zeit habe ich genug, denn Bärbel und ich wollen uns erst am 03.03.2018 in Guadeloupe wieder treffen. Auf dem Weg dahin liegt nur Dominica und ich weiß noch gar nicht, ob ich überhaupt dorthin fahre. Die Angestellten der Marina raten mir davon ab. Dominica sei so zerstört, dass die Menschen dort noch keine Touristen haben wollten. Nun, wir werden sehen. Gerade Dominica, die Isle of Nature, steht ganz oben auf meiner Wunschliste.

Der Liegeplatz von Avalon. Rechts im Hintergrund das satte Grün sind Mangroven, dort beginnen die Sümpfe

Der gleiche Platz, andere Perspektive

Das ganze noch mal bei Vollmond, der gerade im Osten aufgeht. Direkt unter dem Mond, hinter den Mangroven, liegt der Flugplatz von Fort de France

Viel Zeit zu haben ist wirklich ein Geschenk und so mancher fragt sich bestimmt, was macht der Kerl da eigentlich den ganzen Tag? Nun, meist fängt ein Tag ja mit dem Frühstück an. Frischer Kaffee, eiskalte Mich über das Müsli, lecker! Als nächstes wird die Gegend erkundet, wobei das Erkunden eigentlich von einer App erledigt wird. Ich muss dann nur noch den angezeigten Weg, wohin auch immer, zu Fuß zurück legen. Heute geht’s zunächst in die nahe gelegenen Mangroven Sümpfe, die den Yachthafen nach Norden und Osten begrenzen. Allerdings kann ich nicht direkt übers Wasser dorthin spazieren, sondern muss einen gehörigen Umweg über Land machen.

Ein Gecko. Diese flinken Kletterkünstler und Weitspringer begeistern mich immer wieder

Neben vielen Geckos sehe ich in den Sümpfen unterschiedliche Schmetterlinge und Vögel. Sogar ein Kolibri schwirrt vorbei. Leider habe ich bis auf Geckos nichts so richtig vor die Linse bekommen. Es ist zu dicht belaubt und die Tiere sind ziemlich scheu. Für einen Termitenbau reicht es gerade noch, der kann nicht weglaufen. 

Termitenbau in den Mangroven

Am Nachmittag gehe ich noch schnell zum nahegelegenen Supermarkt (ein Weg knapp 3 km). Auf dem Weg dorthin begegnet mir eine Besonderheit von Martinique – eine angekettete Kuh. Die Kette ist gerade so bemessen, das die Kuh den Straßenrand soeben erreicht.

 

In den nächsten Tagen sehe ich noch mehr Vierbeiner dieser Art, hier ist es allerdings ein kräftiger Bulle

Einen Ochsen gibt’s auch noch, ob er müde von dem Bier ist?

Womit wir beim Müll wären. Herumliegender Müll ist in der Karibik scheinbar überall ein Problem! Oder, anders herum, bei den meisten Menschen hier scheinbar eben nicht.

Eine wilde Müllkippe in Z’Abricots, unweit des Yachthafens. Hier bin ich öfter auf dem Weg zum Supermarkt entlang gegangen und konnte mehrmals sehen, wie Müll ungeniert „entsorgt“ wurde

Am nächsten Tag gehe ich nach Fort de France. Bis zum Stadtzentrum sind es gut 6 km. Der Weg führt durch interessante Gegenden und Stadtteile. Hier ein kurzer Abriss in Bildern.

Ein Stück Weg führt mich am Revière Monsieur entlang. Karibische Idylle am Rande der Hauptstadt. Hier stauen sich Bambusstämme

Alt und Neu. Geld frisst Idylle (oben und unten)

 

Kurz vor der Flussmündung entdecke ich diese kleine Privat-Köhlerei. Der kleine Hügel rechts ist gerade in Betrieb

Die Flussmündung

Palmen, Baracken (bewohnt) und Containerhafen. Herangezoomt vom gleichen Standpunkt wie beim Bild darüber

Wieder der gleiche Standpunkt, noch mehr Zoom. Ein Jumbo Jet oder B747 im Landeanflug auf FDF

Ich komme langsam in dichter bewohntes Gebiet. Links und rechts der Straße fressen  angepflockte Ziegen alles was grün ist, Hühner mit Küken wuseln durchs Unterholz und Hunde gibt’s reichlich. Ich habe den Eindruck, dass letztere mehr Angst vor den Menschen haben als umgekehrt. Mit dichter werdender Bebauung begegnen mir natürlich auch mehr Menschen und ich habe Hemmungen zu fotografieren. Die Gegend gehört sicher nicht zu den feinsten von Fort de France. Schrottreife Autos stehen überall herum und blockieren Teile der Straße. Dazwischen wird repariert, Öl auf die Straße abgelassen und Schrott in der Gosse entsorgt. Ich übertreibe nicht! Dazwischen gibt’s viele kleine Läden, Imbissstände und Bars. Offensichtlich werden in dieser Gegend die Schrottkarren zusammen geschraubt, mit denen junge Männer nachts durch die besseren Wohngebiete und in Yachthafennähe herum fahren und mittels gesteuerter Fehlzündungen ein ohrenbetäubendes, stakkatoartiges Geballere erzeugen. Da steckt wohl eine Menge Frust drin…
Jetzt muss ich noch einen ziemlich steilen Hügel hinauf und dann kann ich von oben auf den Hafen sehen. Unübersehbar die allgegenwärtigen Kreuzfahrtschiffe. Weiter geht’s in Richtung Terminal und ich entdecke Streetart, die mich in ihren Bann zieht.

Vielleicht fehlt den Bildern, herausgerissen aus ihrer Umgebung, die ursprüngliche Wirkung. Mich beeindruckt besonders das letzte Bild. Hier hat die Natur dem Künstler Gras wachsen lassen, das den Entsetzten/Weinenden scheinbar trösten will. Die Rispen der Gräser folgen streichelnd der Kinnlinie und einer Falte am Hals. Schöne Laune der Natur.

Jetzt bin ich schon fast in der Stadtmitte und mich zieht’s natürlich erstmal Richtung Wasser. Zu meiner Linken liegt das Fort Saint Louis, an dessen Westseite der Ankerplatz für Yachten anschließt.

Fort Saint Louis dient aktuell immer noch als Stützpunkt für die französische Marine. On Top weht die drapeau tricolore

Der alte Eingang zum Fort mit Zugbrücke

Der Ankerplatz westlich des Forts

Nach einem kurzen Rundgang durch die Stadt gehe ich wieder nach Hause. Ich möchte im Hellen ankommen.

Alle 2 Tage gehe ich zum Supermarkt. Das hält fit und lässt den Kühlschrank nicht leer werden. Mein neu entdeckter Weg führt mich an einer besonderen Siedlung vorbei. Auf der einen Seite ein Gebüsch, das den Straßenlärm einer nahen Hauptstraße etwas mildert, und auf der anderen Seite ein Wellblechzaun, der weder Menschen noch dessen Blicke hindurch lässt. Hinter diesem Zaun liegt die Siedlung. Erst als ich den Weg das zweite Mal gehe, fällt mir ein Zugang auf, eine Lücke im Zaun

Links im Bild kann man den Zugang erkennen

Gleich nach dem Durchgang geht es ziemlich steil hinunter. Rechts und links, inmitten einer üppigen Wegetation, schmiegen sich Wellblechhütten an den Hang. Gegenüber des Hangs im Gegenlicht sind moderne Häuser zu sehen, die im krassen Gegensatz zu diesen Hütten stehen. Ich komme mir wie ein Eindringling vor und mache mich schnell wieder davon.

Die Tage vergehen wie im Flug. Neben meinen ausgedehnten Wanderungen lese ich sehr viel. Bis jetzt habe ich schon acht oder neun Bücher, darunter zwei dicke Wälzer, gelesen. Ein Buch lese ich mit besonderem Interesse. Es ist eine dokumentarische Aufarbeitung der Reise des Kapitän Bligh, die schließlich in der allseits bekannten Meuterei auf seiner Bounty endete. Der Grund dieser Reise war letztlich die Schaffung einer billigen Nahrungsquelle für die Sklaven in der Karibik. Bligh sollte Setzlinge des Brotfruchtbaums dorthin schaffen. Zunächst verhinderte die Meuterei dieses Vorhaben, aber einige Jahre später gelang es ihm. Die Brotfruchtbäume aus dem Südseeraum gedeihen prächtig in der Karibik und hier ist ein Exemplar davon.

Dieser Brotfruchtbaum wächst in einem Randbezirk von Fort de France. Oben links kann man gut die Früchte erkennen

Am Dienstag, den 14.02.2018, mache ich mich noch einmal auf nach Fort de France. Es ist Karneval Dienstag und hier der „wichtigste“ Tag, nicht wie bei uns der Rosenmontag. Die Stadt ist im Ausnahmezustand. Der Innenstadtbereich ist komplett abgesperrt und ich muss durch eine Sicherheitskontrolle, wo auch der Rucksack durchsucht wird. Ich finde es in Ordnung. Wie sonst soll man sich gegen Terror schützen, es zumindest versuchen!

Hier ein paar Eindrücke vom bunten Treiben.

 

Die Zuschauer positionieren sich schon jetzt für den großen Umzug. Das allgegenwärtige Rot scheint auf Martinique die Farbe des Karnevals zu sein

 

Mit diesen Autos fahren die Besitzer nicht nur zum Karneval. Dies ist eins der Autos mit einem langen Rohr (ohne Schalldämpfer) als Auspuff, mit denen die Besitzer nachts „herumballern“

 

…und noch ein paar dieser Autos mit ihren Besitzern. Es gibt also reichlich davon und man behelligt sie scheinbar nicht. Vielleicht gibt`s ja zu Karneval eine Art Waffenstillstand mit der Polizei, die hier durchaus präsent ist.

Eine Frauengruppe mit kunstvollem Kopfschmuck wartet auf den Beginn des Umzugs

Ich warte jedoch nicht mehr. Die Sonne neigt sich schon zum Horizont, wie man auf dem Bild oben gut an den Schatten erkennen kann. Sie sind schon recht lang und es ist Zeit, dass ich mich auf den Weg zurück mache. Es wird früh und schnell dunkel in diesen Breiten. Schade, dass der Umzug so spät beginnt, aber ich nehme viele schöne Eindrücke mit, freue mich trotzdem, bald wieder an Bord zu sein!

Wenn jetzt all jene, die sich die ‚was macht der den ganzen Tag‘- Frage gestellt haben, eine Antwort gefunden haben, bitte sehr. Den anderen empfehle ich, noch einmal von vorne anzufangen 🙂

 

Do. 15.02.2018 –  von Fort de France nach Saint Pierre

09.30h Leinen los in Z’Abricots mit Ziel Saint Pierre – Ankerbucht. Östliche Winde um 6 Bft mit Böen um 7 Bft machen die Fahrt nicht gerade angenehm

Fort Saint Louis vom Wasser aus gesehen

Rechts von der Tonne das große Ankerfeld, links davon liegt Fort de France, unsichtbar hinter dem riesigen Cruise Ship

Noch einmal Fort de France aus etwas anderer Perspektive

Saint Pierre liegt voraus, jetzt muss nur noch ein schöner Ankerplatz gefunden werden

13.15h Der Ankerplatz ist bald gefunden. Etwas nördlich des Anlegers fällt der Anker auf 6m Wassertiefe, ich stecke ca. 40m Kette und der neue Anker hält was er verspricht – er hält. Ein gutes Gefühl! Bald mache ich das Dingi klar und es geht an Land. Der Anleger ist hier gleichzeitig das Dingidock, man sollte nur aufpassen, dass man den größeren Schiffen nicht im Weg liegt. Das ist leichter gesagt als getan. Kein Mensch weiß, welches Schiff/Boot wann kommt und wo es anlegen will. Ich beschließe, mein Dingi nur anzubinden und nicht abzuschließen, damit man es ggf. verholen kann.
St. Pierre gefällt mir auf Anhieb gut. Direkt am Anleger befindet sich eine Art Markthalle, an die sich weitere Marktstände anschließen. Dazwischen immer wieder Bars und Restaurants, die alle einen guten Eindruck machen. Ich marschiere aber erstmal zum nächstgelegenen Supermarkt. Mein Vorrat an Kühlakkus geht langsam zur Neige und ich brauche dringend Nachschub.
Auf dem Rückweg mache ich Halt vor einem Stand, an dem es Hüte zu kaufen gibt. Schon lange will ich mir einen Hut mit breiter Krempe besorgen, jetzt ist es endlich soweit. Hut und 15€ wechseln den Besitzer und es geht zurück zum Anleger.
Da, wo mein Dingi lag, liegt jetzt ein Ausflugsboot. Das Dingi liegt gut angebunden ein paar Meter weiter, alles kein Problem. Die Sonne geht bald unter und zum Sundowner will ich an Bord sein. Also rein ins Boot und los…

Wie ihr seht, es hat geklappt. Pünktlich zum Sonnenuntergang bin ich an Bord. Rechts im Bild liegt „Tigger“, ein Kat aus den USA

Nur Minuten nach dem Sonnenuntergang – Die Lichter von Saint Pierre zaubern eine faszinierende Stimmung aufs Wasser

gefahrene Meilen: 15

Freitag, 16.02.2016  –  Hafentag in Saint Pierre

In den letzten Tagen habe ich oft darüber nachgedacht, ob ich nicht doch nach Dominica fahre. Auf MarineTraffic sehe ich immer viele Boote in Portsmouth liegen. Und das sind ja nur die, die ein aktives AIS-Gerät an Bord haben. Mein Entschluss steht inzwischen fest. Ich fahre hin, will mir selbst ein Bild machen. Da ich nicht weiß wie die Versorgungslage dort ist, gehe ich heute noch einmal zum Supermarkt und decke mich soweit ein, dass ich mindestens eine Woche mit allem über die Runden komme.
Nachdem die Einkäufe an Bord verstaut sind mache ich mich noch einmal auf und fahre an Land, um die nähere Umgebung von St. Pierre zu erkunden. Hier ein paar Eindrücke

Die Karibik ist bunt. Diese Freude an den Farben macht auch nicht vor dem Friedhof halt. Hier geht’s genauso bunt zu.

Avalon am Ankerplatz in Saint Pierre

Grandioser Blick auf die Ankerbucht

Etwas herangezoomt erkennt man Avalon gut an den drei Fendern. Ebenfalls gut zu erkennen ist das Dingi am Anleger – klein und rot

Trecker unter Palmen – findet man garantiert auf keiner Postkarte

Morgen werde ich weiterfahren und ich bin gespannt, was mich in Dominica erwartet. Es sind laut Törnplan nur 54 Meilen (100 km), trotzdem wird es eine andere Welt sein. Wir seh’n uns in Dominica…

 

4 Kommentare zu “Ein Jahr lang Sommer – Von Fort de France nach Saint Pierre

  1. Jens kummrow

    Hallo Kuddel,

    wir waren letztes Jahr mit einem dieser übergroßen Pötte auf Dominica, haben dort mit einem sehr netten Taxifahrer und seiner studierenden, sehr gut Englisch sprechenden Tochter für kleines Geld eine Inselrundfahrt gemacht und uns u.a. den Botanischen Garten und die Wasserfälle im Landesinneren angesehen. Es hätte nicht viel gefehlt und Jean-Marie Hazel – so hieß der Taxifahrer – hätte uns noch zu sich nach Hause eingeladen. Auf unser Karibikkreuzfahrt gehörte Dominica damit zu den nachhaltigsten Erlebnissen bzw. Eindrücken. Hoffentlich ist nicht alles kaputt, denn insbesondere die Pflanzenwelt war wirklich beeindruckend!

    Viele Grüße aus dem kühlen Hamburg
    Macki

    1. avalon693 Autor des Beitrags

      Hallo Macki,
      leider muss ich sagen, dass die Natur auf Domicica, insbesondere die Regenwälder, fast gänzlich zertört ist. Es stehen nur noch die nackten Bäume. Die Vögel sind zu 95% vom Wind im wahrsten Sinn des Wortes verweht, sie sind nicht mehr da. Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag.
      Liebe Grüße aus Guadeloupe und einem intakten Regenwald, Kuddel

  2. Rolf Neumann

    Hi Kuddel, dass ist wieder ein spannender Bericht mit grandiosen Fotos aus der Karibik. Vielen Dank dafür.
    Wir wünschen Dir, Bärbel und Familie eine ganz schöne Zeit dort und warten schon gespannt auf die Fortsetzung.
    Liebe Grüße, inzwischen aus Norddeutschland von Uschi und Rolf

  3. maria kraus - ortwig

    Hallo Kuddel Schön deine fast philosophischen Beschreibungen deiner Erlebnisse zu lesen.Im Moment sind meine Gedanken aber auch sehr bei Bärbel die ja am 3.3 nicht reisen kann. Vielleicht kann sie später noch nachkommen.Ich wünsche es euch von Herzen. Herzliche Grüsse Maria

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