SY "AVALON"

Ein Jahr lang Sommer – von Saint Cast Le Guildo nach Roscoff

16.09.2017 Saint Cast Le Guildo – Paimpol

09.00h Leinen los in St. Cast Le Guildo. Der Wind weht mit 4-5 Bft aus westlichen Richtungen, kommt für uns also leider ziemlich von vorn. Das Groß wird trotzdem gesetzt, es unterstützt die Fahrt und stabilisiert das Boot in einer kabbeligen See. Die Ansteuerung 3 Meilen vor Paimpol ist bei Hochwasser um 16.45h für frühestens 15.00h geplant. Das „Fahrwasser“ fällt bei Niedrigwasser komplett trocken bzw. liegt bis zu 3m über Niedrigwasserstand! Wir erreichen die Ansteuerung um 15.15h, sind bald an der Schleuse zu den Hafenbecken und liegen nach zügigem Einschleusen um 16.45 fest in Paimpol.

So sieht die Schleusenzufahrt bei Niedrigwasser aus, alles klar?

Das ruhige Wasser in den Bassins und die windgeschützte Lage mitten im schönen Ort tun uns nach der recht ruppigen Reise gut und wir genießen nach dem obligatorischen Gang zum Hafenmeister unser verdientes Anlegebier.

Anlegebier in Paimpol – das haben wir uns verdient

Danach machen wir einen ersten Erkundungsgang durch den Ort. Boulangerie und Carrefour-City werden lokalisiert, die Versorgung ist gesichert.

Gefahrene Meilen: 36

 

17.09.2017 Hafentag in Paimpol

Wir schlafen an diesem Morgen erstmal richtig aus und beginnen dann den Tag mit einem gemütlichen Frühstück ohne „Ablegestress“. Während der Nacht sind noch einige kräftige Schauer übers Land gezogen, aber jetzt hat sich das Wetter beruhigt und wir planen eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt knapp 3 km vom Hafen entfernt. Der Weg/Pfad ist wieder Teil des bretonischen Küstenwanderwegs und wir sind immer wieder begeistert und beeindruckt von der Schönheit der Landschaft und der von Ebbe und Flut geformten Küste.

Durch das Felsenlabyrinth im Hintergrund sind wir gekommen. Das Revier erfordert eine aufmerksame Navigation, da viele Felsen bei Hochwasser unter Wasser liegen.

Die von Ebbe und Flut geformte Küste

Die Schönheit der Landschaft ist immer wieder überwältigend

Es ist Niedrigwasser und wo wir gestern noch mit dem Boot gefahren sind, liegt nun eine „grüne Wiese“ vor uns. Hellgrüne Fadenalgen, die weite Teile des trocken gefallenen Meeresbodens bedecken, lassen diesen aus der Ferne so erscheinen.

Strand, Badeanstalt und Watt….

….in der Bretagne keine seltene Konstellation. Die Badeanstalt hat sogar eine 25m-Bahn mit Startblöcken. Im Hintergrund die „grüne Wiese“

Die Fahrwassertonnen, die ein wenig an Kreisel aus der Kinderzeit erinnern, machen Pause im Grünen

Nachmittags gibt`s „zu Hause“ Kaffee und dazu etwas Kuchen aus der nahegelegenen Boulangerie. So gestärkt machen wir uns noch mit 2 Kanistern auf zur nächsten Tankstelle, um unsere Dieselvorräte wieder aufzufüllen.

 

18.09.2017 Paimpol – Roscoff

Um 07.30h Leinen los in Paimpol. Um 07.00h war es noch stockdunkel und jetzt hat die Morgendämmerung eingesetzt. Wir fahren vor die Schleuse und der Schleusenwärter macht sofort das Tor für uns auf. Kurze Zeit später sind wir wieder aus der Schleuse heraus und fahren bald über die grüne Wiese dem tiefen Wasser entgegen.

Morgenstimmung – Schauer voraus und die „Kreiseltonnen“ schwimmen jetzt auf 5m Wassertiefe

Kurs Ost, voraus lauern die Felsen – wir gehen auf Nordkurs und bald ist es vorbei mit der Ruhe

Nach drei Meilen biegen wir nach Norden ab und der Ebbstrom trägt uns mit bis zu 9 Kn über Grund Richtung offenes Meer. Der Wind hat nach anfänglich West 2 zwischenzeitlich auf NW gedreht und kommt mit 3-3,5 Bft gegenan. Gott sei Dank nicht stärker, denn die Overfalls und Races, die wir unterwegs passieren, wären sonst wohl nicht nur ziemlich schaukelig, sondern extrem ungemütlich geworden. Nach zwei Stunden Fahrt haben wir fast 15 Meilen bis um das Kap herum geschafft und können endlich auf Kurs 255° Richtung Roscoff gehen. Genua 1 raus und Motor aus sind eins. Endlich – segeln vom Feinsten.

Die Races, die wir jetzt noch passieren, sind bestens an den weißen Schaumkronen zu erkennen und hier im freien Wasser ohne Engstellen und Felsen leicht zu umschiffen. Die Ansteuerung von Roscoff Marina ist völlig problemlos. Der Hafen ist tidenunabhängig anzulaufen und wir machen um 15.45h fest. Der erste Eindruck von der Marina ist etwas ernüchternd. Ziemlich steril das Ganze und etwas klotzig, genau so wie die Hafengebühr. Nun denn, wir gehen zahlen und danach gibt’s das Anlegebier as usual.

Ein erster Erkundungsgang ins alte Roscoff stimmt uns wieder versöhnlich. Ein wirklich sehenswerter Ort! Der alte Hafen, der komplett trocken fällt und dennoch selbst von den Fischern genutzt wird, komplettiert das typische Bild einer geschichtsträchtigen bretonischen Hafenstadt.

Der südliche…..

….und der nördliche Teil des komplett trocken fallenden Hafens. Kein guter Platz für Avalon

gefahrene Meilen: 53

19.09.2017 Hafentag in Roscoff

Heute brechen wir gleich nach dem Frühstück zu einem längeren Spaziergang auf. Der bereits gestern gewonnene erste Eindruck von Roscoff verstärkt sich. Morbider Charme, liebevoll restaurierte Häuser, geschickt integrierte moderne Bauweise und die teils subtropische Vegetation fügen sich zu einem sehenswerten Ganzen.

Alt und Moderne

meditrane bis subtropische Vegetation ist allgegenwärtig

Es ist jetzt Mittag und die Ebbe hat die Schiffe und Boote wieder auf den Sand gesetzt. Ein größeres Fischerboot hat sich nicht wie die die anderen an den Kai gelegt sondern hängt mit einiger Schräglage in den Festmachern.

Ein Fischkutter hängt in den Festmachern

Weiter geht’s über eine Brücke bis zu einem Anleger für das kleine Fährschiff, das Besucher und Einwohner zur gegenüber liegenden kleinen Insel, der Ile-de-Batz, bringt. Von hier aus hat man einen herrlichen Überblick und das sonnige Wetter unterstreicht die Schönheit von Roscoff und seiner Umgebung.

Roscoff mit Hafen – rechts liegt die Ile de Batz

Wo, wenn nicht hier, könnte der Einfluss der Gezeiten auf das Leben der bretonischen Bevölkerung deutlicher werden?

Nachdem wir uns mit Pommes und einem Pastis gestärkt haben wenden wir uns etwas profaneren Dingen zu – wir müssen einkaufen. Der Weg führt uns auf der Westseite von Roscoff, teils über kleine Sandstrände der Anse De Laber, bis an den südlichen Ortsrand zum einzigen Supermarkt von Roscoff.

20.09.2017 Hafentag in Roscoff

Im östlichen Teil von Roscoff besuchen wir heute einen markanten Aussichtspunkt, der von einer kleinen Kapelle gekrönt ist. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde diese zu Ehren der heiligen Barbara erbaut, damit sie die Seefahrer vor den Gefahren auf ihren Fahrten schützt. Neben der Fischerei war der Seehandel, u.a. mit den berühmten Zwiebeln der Region, wichtig für die aufblühende Hafenstadt. Heute ist die weithin sichtbare weiße Kapelle noch eine gute Landmarke für die Seefahrer.

Die weiße Kapelle De Saint Barbe, heute noch weithin sichtbare Landmarke für Seefahrer

21.09.2017 Hafentag in Roscoff

gähn….und kein Internet, grummel…

Ein Kommentar zu “Ein Jahr lang Sommer – von Saint Cast Le Guildo nach Roscoff

  1. Bernd

    Hay Avalon,
    Danke für die schönen Bilder aus der mystischen Bretonischen Landschaft!
    Da kommen Erinnerungen auf!
    Und nu?? Ein langer Schlag durch die Biskaya??
    Ich wünsche euch Wind und Wellen aus der richtigen Richtung und verfolge
    euch im Internet.
    Gruß
    Bernd

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*