SY "AVALON"

Ein Jahr lang Sommer – von Cascais nach Funchal auf Madeira

Fr. 20.10.2017 Cascais – Madeira

1.Tag

12.00h Leinen los in Cascais. Luftdruck 1026hPa, westliche Winde 1,5 – 3 Bft. Für die Reise sind 4 Tage geplant und wir hoffen, mit Start 12.00h Madeira bei Tageslicht zu erreichen. So der Plan.
Fahren unter Motor mit gesetztem Groß Kurs 210° bei einem Sollkurs von 227°. Der Wind soll in der Nacht auf Nord drehen und mit 4-5 Bft wehen. Wir gehen davon aus, morgen Mittag wieder auf dem Track zu sein. Um 15.00h übernimmt der Windpilot das Steuern. Der Wind kommt weiterhin aus West, hat sich aber auf 3Bft stabilisiert und gibt der Windfahne genug Kraft.
15.30h Delfine geben sich die Ehre, Video gedreht

18.00h Wind geht auf 1,5 Bft runter, der elektrische Autopilot muss wieder übernehmen
18.50h Sonnenuntergang, Fahrlichter eingeschaltet. Um 21.05h, es ist mittlerweile stockdunkel, sind Delfine auf der Jagd und das Meeresleuchten läßt ihre flinken Körper aufleuchten. Die Beutefische springen um ihr Leben und das Meer erscheint dadurch wie mit glitzernden Sternen übersät. Traumhaftes Schauspiel!

2.Tag

Sa. 21.10.2017, 00.15h. Der Wind kommt nördlicher um 3Bft, der Windpilot muss wieder steuern. 01.10h Motor aus, Segeln bei 3Bft hoch am Wind, Kurs 210°.
03.25h Motor an, Wind kommt achterlich mit 2Bft, zu wenig.
04.45h, Motor aus, der angekündigte Wind ist da, statt 4-5 Bft allerdings 5-6 Bft aus NON, 1.Reff im Groß, Genua bleibt eingerollt.
06.40h 2. Reff eingebunden.
09.00h, 1033hPa (!!) Genua 1 halb ausgerollt und ausgebaumt.
13.00h Genua geshiftet, Schmetterlingsegeln bei fast achterlichem Wind 5 – 6 Bft. Der Windpilot steuert auch das unbeeindruckt und im Anbetracht der Verhältnisse tadellos.
21.50, 1033 hPa, Wind NO 5-6, 2. Reff im Groß, gereffte Genua 1, um 6 Kn ü.G., Wellen jagen, Avalon scheint Spaß d’ran zu haben!

So 22.10.2017, 05.15h Winddreher, müssen Groß und ausgebaumte Fock shiften. Zusätzlich haben wir Schiffsbegegnungen und kommen auf diese Weise besser damit klar. Der Windpilot meistert auch diese Situation perfekt!
10.05, wir entfernen uns zu weit von unserer Route und müssen die Segel zur Kursänderung shiften. Kein Problem für Crew und Windpilot bei nur 4,5 Bft. Der Tag vergeht mit weiteren Segelmanövern. Jetzt ist es 20.15h, Barometer 1030 hPa, 3 Punkte gefallen. Wind weiterhin aus NO mit 4-5,5 Bft. Für die Nacht 2. Reff eingebunden und Genua 1 halb gerefft. Fahrt über Grund 5-6 Kn.
21.55h Der Madeira-Versorger „Funchalense 5“ kommt von achtern auf. Er läuft präziser auf unserer Route (blauer Strich) als wir selber. Wohl kein Kunststück mit einem großen Motorschiff, während unser Windpilot „dem Wind hinterher eiert“.

Darstellung der Aufkommer-Situation auf dem Laptop. Das kleine rote Schiffchen sind wir und die grüne Linie ist unser aktuell anliegender Kurs über Grund. Die blaue Linie ist unser Sollkurs bzw. voreingegebene Route. Im Kasten oben links gibt’s Infos von der „Funchalense 5“.Die kleinen Zahlen überall stellen die Wassertiefe dar.

3.Tag

Mo 23.10.2017 08.15h, 1027 hPa, bewölkt, 20,5 °C, leichter Winddreher, der Wind kommt östlicher und wir können den Kurs nicht mehr halten. Die dritte Halse auf diesem Reiseabschnitt steht an.

Fatamorgana? Nein – hier ist im Zusammenspiel von Wolken und Licht etwas Wunderbares entstanden – ein Schiff fährt kopfüber über die Wolken.

10.45h, Wind nimmt wie angekündigt langsam ab auf 3,5 – 4,5 Bft. Ausreffen, fahren Groß und Genua 1 jetzt voll. Der Wind schralt etwas und der Windpilot fährt uns mal dahin und mal dorthin, aber unterm Strich geht’s in die richtige Richtung. Wie hat ein Altkanzler es mal ausgedrückt? „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“. Nun denn.

Hier könnt ihr sehen, was rausgekommen ist. Der Track, unser tatsächlich zurückgelegter Weg, schlängelt sich um die geplante Route.

15.45h, Wind nimmt noch mehr ab und schralt. Zeitweise nur 3Bft achterlich. Der Windpilot ist nun überfordert und der Autopilot muss ran. Damit wir 5 Kn. halten können, unterstützt der Motor die Fahrt.

19.00h, Segel bergen, es geht nicht mehr. Zu wenig Wind von achtern und die alte Windsee lässt die Segel nur noch schlagen, Vortrieb bringen sie nicht mehr.

Wolkenspektakel statt Sonnenuntergang. Kein schlechter Ersatz!

4.Tag

Die. 24.10.2017, 00.20h, 1024 hPa, 21°C, Wassertemperatur 22°C!!!

Die See wird langsam ruhiger, aber es ist immer noch eine ziemliche Schaukelei. Die Sicht ist gut und bald müssten die Lichter der Insel Porto Santo zu sehen sein. Ich korrigiere, sie sind zu sehen! Sind wohl aufgetaucht, während ich am Laptop saß.

04.35, Leuchtfeuer Ilhéu De Cima querab an Steuerbord.

06.45, Leuchtfeuer São Lourenço an der Ostspitze Madeiras auf 240° in Sicht. Alle 10 Sek. schickt er uns einen Blitz herüber.
07.30h Auf der morgentlichen Bühne des Naturschauspiels hat allein die Venus das Sagen. Von rosa angehauchten Wolken umrahmt strahlt sie mit Macht zu uns herüber und macht unser eigentlich profanes Frühstück zu etwas Besonderem. Dazu gibt es den ersten frisch gefilterten Kaffee seit vier Tagen! Fragen? Okay, es ist 21° warm und das Wasser hat immer noch 22°. Vor uns streben die „Aida Cara“ und „Mein Schiff 4“ Funchal entgegen. Ob die selig schlafenden Passagiere erahnen, was ihnen gerade entgeht? Sicher nicht.

Madeira, wir kommen!

Es sind jetzt noch etwa 6 Stunden Motorfahrt  bis Funchal und trotz der langen Überfahrt können wir diese letzten Stunden genießen.

 

Das Leuchtfeuer São Lourenço liegt querab. Ein Flugzeug befindet sich im Landeanflug auf den Flugplatz Madeira Christiano Ronaldo.

Das Leuchtfeuer São Lourenço noch einmal aus der Nähe. Es hat uns in der Nacht gute Dienste als Steuerhilfe bzw. Kurskontrolle geleistet.

Beim Näherkommen werden immer mehr Einzelheiten erkennbar und wir können uns nicht sattsehen an dieser wunderbaren Insel. Und dann, was wäre anders zu erwarten gewesen, begrüßen uns auch vor Madeira Delfine. Wir sind angekommen, perfekt!

 

Ein Flieger der portugiesischen TAP Air Portugal setzt auf der interessanten Piste des Flughafens Madeira Cristiano Ronaldo zur Landung an

Der Flieger kurz vorm Aufsetzen auf die teilweise von Pfeilern getragene Piste

 

 

Die letzte Huk vorm Ziel ist fast gerundet und macht schon den Blick frei auf Funchal. Rechts oben die Cristo-Rei-Statue.

Die Cristo-Rei-Statue auf der Huk zwischen Caniço und Funchal. Das Denkmal wurde von dem französischen Bildhauer Georges Serraz 1927 geschaffen.

Was sagt die Temperaturanzeige etwa in Bildmitte? Genau, 23°C – Wassertemperatur!

Bald ist es geschafft – der Hafen von Funchal zum Greifen nahe

13.02h Fest in der Marina Funchal, eine Stunde Fahrzeit mehr als geplant.

gefahrene Meilen: 541

Hinweis: Für die Familie gibt’s noch ein Video in „Privat“

Logge (Meilen)  Motor (Std)
Ziel        18915               329,6
Start      18374               292,3
gef.            541                37,3

Ein Kommentar zu “Ein Jahr lang Sommer – von Cascais nach Funchal auf Madeira

  1. ellen

    Lieber Karl-Heinz, ich beneide Dich, die Bilder sind traumhaft. Ich schaue jedes mal sehr gern durch Deine Fotos. 🙂 Viele Grüße, Ellen

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