SY "AVALON"

Ein Jahr lang Sommer – von Newlyn bis Dover

Donnerstag, 07.06.2018

Juhu, ich, Bärbel, bin wieder an Bord! Kuddel holt mich um 22.45h vom Bahnhof in Penzance ab und wir gehen ca. 30 Minuten an der Promenade entlang nach Newlyn zum Hafen, wo Avalon liegt. Während der 4 ½ stündigen Zugfahrt von Bristol habe ich bereits einen ersten Eindruck bekommen von Devon und Cornwall. Z.T. führt die Strecke am Wasser entlang und ich sehe die zahlreichen Ankerlieger. An Bord wartet eine gekühlte Flasche Sekt, die Kuddel auf den Azoren für mich gekauft hat! Wir sitzen noch lange draußen in der Plicht, es gibt viel zu erzählen! Ich freue mich auf die kommenden Wochen.

Freitag, 08.06.2018

Herrlicher Morgen, die Sonne scheint und es ist angenehm warm, nicht so heiß wie in Hamburg!! Nach dem obligatorischen Einkauf in einem sehr gut sortierten Lidl geht es mit dem Rucksack los. Wunderschöner Wanderweg, üppige Vegetation und bunte Blumen in den Vorgärten. Mousehole ist ein kleiner, entzückender Ort, niedliche Häuser und kleine, schmale Gassen. Berühmt sind die „Mousehole Christmas Lights“, die von Mitte Dezember das Hafenbecken in weihnachtlichen Glanz tauchen. Lediglich am 19. Dezember zwischen 20:00 und 21:00 Uhr erlöschen die Lichter in Gedenken an die ertrunkene Solomon Browne Rettungsboot-Mannschaft. Wir wandern über sanfte Hügel im großen Bogen zurück zum Hafen.

Newlyn ist heute noch einer der wichtigsten Fischereihäfen Großbritanniens. Der Ort ist beschaulich, hübsche, individuelle Geschäfte und einladende Inns. Kuddel hat einen Tisch im „Tolcarne Inn“ bestellt und wir genießen ein sehr leckeres Essen, natürlich Fisch!! Wir sind begeistert! Ein tolles Überraschungsessen für mich. Morgen wollen wir weitersegeln.

Toller, gemütlicher Inn, perfekte Wahl für mein Willkommensessen!

Da macht das Wandern Spaß!

Blick auf Newlyn, im Hintergrund Penzance.

Der idyllische Hafen von Mousehole

Ein entzückender Laden mit allerlei Schnickschnack!

 

Samstag, 09.06.2018

09:00h Leinen los mit Ziel Falmouth

Der Wind kommt genau von vorn, um 2,5Bft, nimmt bald zu auf 4-5Bft und schließlich sogar auf 6Bft, entgegen der Windvorhersage! Ätzende Welle! 1. Reff um 11.30h und das 2. gleich um 12.00h. Am Lizard Point, dem südlichsten Punkt Englands geht der Wind auf 6,5Bft, die „Eddies“ toben hier wie verrückt und wir mittendrin!

Kabbelsee am Lizard Point, dem südlichsten Punkt von England mit dem Leuchtturm und die „Eddies“ toben um uns rum! Zu allem Übel gibt der Autopilot gerade jetzt seinen Geist auf, aber Kuddel wechselt ihn unter den widrigsten Bedingungen aus. Ein riesiger Schwall Wasser kommt auch noch ins Boot, wir sind kladdernass. Kuddel hatte den Salon-Teppich gerade 2 Tage vorher entsalzt! Soo habe ich mir den Einstieg an Bord nicht vorgestellt und mir geht es entsprechend schlecht.

Schöne Küste bis Falmouth

17:00h fest in der Haven Marina von Falmouth, bei bestem Wetter. Das stimmt uns gleich wieder versöhnlich und das wohlverdiente Anlegebier schmeckt besonders gut. Nach einer längeren Erholungspause schauen wir uns im Ort um. Es gefällt uns hier, viele kleine, geschmackvolle, kunterbunte, schöne Geschäfte.

Abends ist es hier voller!

Bummel durch die kleinen Geschäftsstraßen

Verdientes Anlegerbier in Falmouth

Gefahrene Meilen: 38

Sonntag, 10.06.2018  Hafentag in Falmouth

Wieder ein sonniger Morgen. Wir nehmen erst einmal die Waschmaschine und den Trockner in Beschlag und Kuddel entsalzt den Teppich zum 2. Mal. Anschließend begeben wir uns auf einen Erkundungsgang und genießen die Aussicht auf die riesige Bucht.

Postkartenmotiv

 

Traumhaft!

In einem kleinen Fischladen kaufen wir „Monk“ Fisch, den wir morgen zubereiten wollen. Falmouth ist der größte Naturhafen Cornwalls. Im Hafen liegen etliche Boote, die das „Golden Globe Race“ mitmachen, mit Ausrüstung wie vor 50 Jahren üblich, Einhand um die Welt – Wahnsinn! Start ist in ca 2 Wochen in „Les Sables d‘ Olonne“ in Frankreich.

Außer uns liegen hier die Teilnehmer der ‚GoldenGlobe‘ Regatta

Bojenfeld vor Falmouth. Erinnerung an die Karibik!

 

 Montag, 11.06.2018

10:40h Leinen los mit Ziel Fowey

Leicht bedeckt, wir starten bei Niedrigwasser. 2Bft, entspannte, ruhige Motorfahrt, vorbei an der schönen Küste, den traumhaften Stränden und verschiedenen Castles. Bei einer Wassertemperatur von 15° sieht man allerdings kaum Badegäste!

Tolle Strände aber leider keine Badetemperaturen!

 

Blick auf das Foweyufer

15:15h fest am Ponton in der Mündung des Flusses Fowey. Es ist traumhaft hier! Wir liegen mit vielen anderen Booten an einem verankerten Ponton. Wir blicken auf den Ort Fowey, sieht malerisch aus.

Blick auf Fowey

Abends essen wir den „Monk“ (eine Art Steinbeißer?) aus Falmouth, mit Pilzen und Kartoffelbrei, schmeckt super! Und dazu das tolle Ambiente, das Panorama hat echt Postkartenqualität!

Gefahrene Meilen: 20

 

Dienstag, 12.06.2018

06:30h Leinen los mit Ziel Salcombe

Zunächst 4Bft aus Nord, aber um 8:00h ist das 1. Reff bei 5Bft fällig und etwas später das 2., der Wind geht sogar auf 6Bft. (Die Vorhersage war mal wieder voll daneben). Aber zum Glück nicht zu lange, so dass das 2. Reff nicht mehr nötig ist. Schönes Segeln entlang der wunderschönen Küste. Ab 12:30h muss der Motor ran.

14:20h fest an einer Boje in der Mündung vom Kingsbridge Estuary bei bestem Wetter! Traumhaftes Ambiente!

Dingihafen – kennen wir doch? Im Hintergrund Avalon

Mit dem Wassertaxi fahren wir für £3 Hin- und Rückfahrt an Land. Wieder begeistern uns die hübschen, alten, kleinen Steinhäuser, dicht gedrängt beieinander und die ansprechenden, individuellen Geschäfte. Etwas nostalgisch wirkt das „Cranch’s“, das berühmte rosa angestrichene Geschäft, in dem seit 1869 kunterbunte Süßigkeiten verkauft werden.

Amazing!!

Wir gönnen uns die für diese Gegend typischen Scones (Mischung aus Brötchen und Kuchen), die wir an Bord mit Butter und Erdbeermarmelade bestreichen. Lecker, aber nicht der originale, typische „Cream Tea“! Dazu gehört eine Tasse Tee mit scones, die mit Marmelade und clotted cream bestrichen sind. Wer was auf sich hält wählt Earl Grey, der auch bei den Royals serviert wird. Und wie trinkt man den Tee in in Cornwall und Devon? Entweder MIF ( milk in first) oder TIF ( Tea in first)

Wir wandern am Wasser entlang und finden immer wieder schöne, malerische neue Motive für die Kamera.

Einfach traumhaft!

Unser Wassertaxi

Gefahrene Meilen: 37sm

 

Mittwoch, 13.06.2018

07:20h Leinen los mit Ziel Isle of Portland

Wir haben den Hafen als Zwischenstopp auf dem Weg zu der Isle of Wight gewählt. Kein Wind, glatte See, zunächst fahren wir unter Motor. Nach ca. 3 Stunden haben wir den Strom mit und segeln mit über 6 Kn. Welch Schauspiel: Delfine schwimmen vor unserem Bug und begleiten uns eine kurze Strecke! Inzwischen ist Nebel aufgezogen und Kuddel schaltet das Radargerät ein. Gegen 17.30h geht der Wind auf 5Bft, 1. Reff ist angesagt, fahren jetzt über 6 Kn.

20:00h fest in Portland.

Eine riesige Marina, sehr feudale Anlage, lädt aber nicht zum längeren Aufenthalt ein. Das Hafenmeister Office erinnert eher an die Empfangshalle eines Nobelhotels! Entsprechend „nobel“ ist auch das Liegegeld: £ 30,88.

Gefahrene Meilen: 69sm

 

Donnerstag, 14.06.2018

11:45h Leinen los mit Ziel Yarmouth, auf der Isle of Wight.

Wind 4,5 Bft, nimmt aber entgegen der Vorhersage bald zu, also reffen wir. Starker Gegenstrom lässt uns nur langsam vorankommen. Eklige Schaukelei, aber die Sonne scheint wenigstens! Gegen Ende der Fahrt fahren wir mit dem Strom, zeitweise über 10 Kn!

Ein Frachter fährt außerhalb des Fahrwassers. Er weist uns damit einen besseren Weg mit ruhigerem Wasser

Der Kartenausschnitt zeigt, wie der Frachter weit außerhalb des Fahrwassers über das Flach geht. Wir machen’s genauso.

Herrlicher Anblick, die berühmten Needles in der Abendsonne, eine Gruppe von 3 Felseninseln aus Kreide. Toller Anblick!

„The Needles“, Eingang zum Solent bei strahlendem Wetter!

Wir fahren durch den Needles Channel und weiter in den Solent.

Kurz nach Sonnenuntergang passieren wir südlich die Festung Hurst Castle

21:00h Mit dem letzten Büchsenlicht fest in Yarmouth. Tolle Stimmung! Es gefällt uns hier, sehr schöner Hafen.

Gefahrene Meilen: 45sm

 

Freitag, 15.06.2018

Yarmouth ist ein ganz süßer kleiner Ort, wir machen einen kleinen Rundgang bevor wir nach Cowes fahren.

Kein Kommentar!

10.00h Verholen nach Cowes. Safe passage“ wünscht uns unser Nachbarlieger, der allein unterwegs ist.

Unterwegs begegnen uns viele Segler, Cowes ist ja auch DAS Segelmekka.

Die Sonne scheint, es ist Sommer! Herrlich! Wir fahren mit dem Strom, allerdings ohne Wind. Traumhaft hier!

11:25h fest in Cowes nach einer kurzen sonnigen Motorfahrt. Hier ist was los! Regattaboote kommen uns wie aufgereiht aus dem Hafen entgegen. Wir finden einen guten Platz längseits am Ponton und der Hafenmeister findet es auch OK, aber leider dürfen wir nur eine Nacht bleiben. Morgen findet eine große Regatta statt und der Hafen ist „ausgebucht“. Schade, wollten hier länger bleiben. Cowes ist eine hübsche kleine Hafenstadt und der drittgrößte Ort der Insel. Wir schlendern durch die Stadt und am Wasser lang. Natürlich gönnen wir uns ein Pint in einem der vielen gemütlichen Inns, zusammen mit zahlreichen Regatta Teilnehmern. Hier ist Leben! Der Hafen füllt sich!!!

Cowes DAS Segelmekka!

 

Wir decken uns ein mit Obst und Gemüse

 

Na dann!

 

Bummel durch die Straßen lohnt sich

Die Startkanonen vor dem Yachthafen von Cowes

na, wo ist denn das Eichhörnchen?

Schade, wir dürfen nur EINE Nacht bleiben!

Gefahrene Meilen: 9sm

Samstag, 16.06.2018

06.00h Leinen los mit Ziel Brighton

Ruhiger Start, 3Bft von achtern, reicht noch nicht zum Segeln. Ändert sich aber, 2 Stunden später segeln wir mit 6 Kn am Wind. Das 1. Reff bleibt noch, laut Windvorhersage soll der Wind auf 5Bft gehen – was er auch tut. Schönes Segeln, leider ohne Sonne. Kurz vor der Einfahrt in den Hafen haben wir eine fiese Welle mit zunehmendem Wind und noch dazu behindert uns ein größerer Versorgungskatamaran im Hafeneingang, unmöglich! Eine nicht ganz ungefährliche Situation.

13:10h fest in Brighton. Was für ein Gegensatz zu Cowes!! Wir liegen in einem riesengroßen Hafen, eingerahmt von zig Geschäften und Restaurants. Nicht so unser Ding. Einkaufen kann man in einem überdimensional großen Supermarkt rund um die Uhr.

Wir gehen zu Fuß Richtung Town Centre auf der recht wenig einladenden, ungepflegten Promenade am endlos langen Steinstrand entlang. Badegäste suchen wir hier vergebens, zu kalt. Den Gang über die Seebrücke ersparen wir uns, ziemlich viel Hully Gully. Das Stadtbild ist recht bunt, multikulti, interessante kleine Geschäfte und Cafes. Zurück nehmen wir den Bus, machen gleich eine kleine Sightseeing Tour. Wir sind uns einig: Brighton muss nicht sein!

Brighton mit Seebrücke

Gefahrene Meilen: 48sm

Sonntag, 17.06. 2018

09.00h Leinen los mit Ziel Dover

Nachts hat es viel geregnet und die Sonne lässt sich noch nicht so richtig blicken. Schnelle Fahrt, konstanter Wind. Der Strom ist mit uns, im Schnitt fahren wir 7,25 Kn. Wir fahren an der Kreideküste entlang, den „White Cliffs“ von Dover, toll! Vorsegel gerefft und 1 Reff im Groß. Gegen 13.00h nehmen wir das Vorsegel weg. Wind nimmt allmählich zu und gegen 18.30h haben wir 6-6,5Bft, vor der Hafeneinfahrt sogar 7Bft! Heftig! Aber wir haben Glück, Dover Control lässt uns gleich in den Vorhafen einfahren.

White Cliffs of Dover voraus.

19.15h fest in Dover. Geschafft!

Gefahrene Meilen: 67sm

Montag, 18.06.2018

Hafentag in Dover. Der Hafen ist eine riesige Baustelle, es entsteht der neue Dover Port. Die Fotomontagen versprechen eine tolle, moderne Anlage, wenn sie dann irgendwann fertig ist. Wir bummeln durch die Stadt, die sich aber wirklich nicht lohnt! Beim Chandler kauft Kuddel eine neue 2-Farben Laterne. Am Nachmittag kommt endlich die Sonne raus und wir wandern zu den „World Famous White Cliffs of Dover“. Von oben haben wir eine fantastische Aussicht auf „the busiest harbour of Great Britain“!

Blick auf den riesigen Hafen von Dover

 

Fotomontage vom neuen Dover Port

 

Wanderung zu den cliffs bei Sonne, aber sehr viel Wind!

Die Cliffs sind ca 300 feet hoch und erstrecken sich über 16 miles entlang der Küste.

Beeindruckend!

 

Very British! Er ist NICHT zu Fuß gegangen!

 

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