SY "AVALON"

Ein Jahr lang Sommer – Zusammenfassung Atlantiküberquerung vom 02. bis 22.12.2017

Mit dieser Zusammenfassung reiche ich einige persönliche Eindrücke und vor allem Bilder und Videos von der Atlantiküberquerung nach

Abschied von Las Palmas

Freunde von Lorenzo verabschieden uns vom Molenkopf . Da haben Bärbel und ich auch gestanden, als die Boote der ARC ausliefen

Der Kurs führt zunächst in südwestliche Richtung, folgt also der „klassischen“ Strategie, sobald wie möglich weiter südlich auf einen stabilen Passatwind zu treffen. Mich hat jedoch nicht diese klassische Strategie geleitet sondern die Vorhersagen von Windfinder und dem Wetterservice von Saildocs.com. Nach deren Vorhersagen herrscht auf dem direkten Kurs deutlich weniger Wind, so dass mir der Umweg von ca. 200 Meilen lohnend erscheint. Jimmy Cornell, eine der großen Langfahrt-Ikonen und Erfinder der Langfahrt-Ralleys, hat folgendes dazu geschrieben: http://www.blauwasser.de/atlantikueberquerung

Am südlichen Ende von Gran Canaria erwischt uns Rolf im schwindenden Licht mit seiner Kamera. Wir sind allerdings ein paar Meilen entfernt.

Schemenhaft am Horizont zu sehen. Avalon auf dem Weg ins große Abenteuer!

Bald wird es zum ersten Mal auf diesem Törn dunkel und wir essen zu Abend. Was? Pasta!! Danach überlegen wir, wie wir die Nacht organisieren. Wir einigen uns auf eine 3-Stunden Wache. Nach dem Abendessen übernehme ich die Wache bis 21.00h und Lorenzo übernimmt die Wache von 21.00h bis 00.00h. Dann bin ich von 00.00h bis 03.00h dran und Lorenzo wieder von 03.00h bis 06.00h. Um 06.00h wird gemeinsam gefrühstückt und danach erholt sich Lorenzo von seiner letzten Wache. Den hellen Tag über gibt’s keine feste Wacheinteilung.
Diese Regelung bewährt sich so gut, dass wir sie während des gesamten Törns über den Atlantik beibehalten.

Die nächsten Tage folgen wir dem Wind parallel zur Küste Afrikas in Richtung westliche Kapverden. Hier ein Video vom 3.Tag.

 

Mittlerweile ist es Dienstag, der 05.12.2017. Es ist viel Wüstensand in der Luft, alles scheint milchig.

Auszug aus „Ein Jahr lang Sommer – von Gran Canaria nach Barbados  4.Tag

Mittwoch 06.12.2017

aktueller Wetterbericht sagte max. 20 Kn, wir haben bis 34 Kn!! So what, for sailors business as usual….
00.30h Wind nimmt weiter zu, 6-7 Bft, 2. Reff ins Groß, Speed (SOG) 6,5-7,5 Kn, im Surf bis 9,5Kn (!) geil, 1022 hPa, hoffentlich fällt Luftdruck nicht weiter, Wind ist genug
08.00h Wind immer noch NOO 6 Bft, keine 7er Böen mehr, See mittlerweile 3-4 m, manchmal „kleiner Einstieg“ von hinten, müssen aufpassen…….. 

Und hier das Video dazu:

Sonnenaufgang, ein neuer Tag bricht an, wir sind den 3. Tag auf See

Lorenzo schreibt sein Tagebuch

Ich muss erst einmal wach werden, gleich gibt`s Kaffee

Mittwoch, 06.12.2017. An diesem Tag „erfinde“ ich unsere Müllentsorgung. Mit den 5-Liter Trinkwasser Flaschen haben wir DIE „Müllentsorgungseinheiten“! Es gibt nur ein Problem: Alles muss durch den Flaschenhals! Zunächst hämmern wir Dosen & Co. klein, doch dann fällt mir die Blechschere in meiner Werkzeugkiste ein, mit der wir den Müll „kurz und klein“ schneiden. Die erste Flasche wird gefüllt:

Müllentsorgung auf der Avalon. Vorteile: geringer Platzbedarf, es riecht nicht, gut zu verstauen, Beschäftigung für die Mannschaft 🙂

Freitag 08.12.2017, Szenen aus dem Bordleben

Von nichts kommt nichts – „Essen hält Leib und Seele zusammen“, nirgends gilt dieser Spruch mehr als auf See! Lorenzo hatte etwas Pech mit der Milch beim Frühstücks-Müslibüffet. Deshalb wehen im folgenden Video einige Textilien zum Trocknen im Wind.

Und so entsteht auch bei ordentlichem Seegang eine Pasta-Mahlzeit

 

Am Freitag den 08.12.2017 ist es endlich so weit. Eine farbenprächtige Goldmakrele hat angebissen und bald liegt sie in der Plicht.

Da liegt sie, die Goldmakrele und es scheint, als gucke sie etwas grimmig

Nach dem Fang der Goldmakrele muss die Angelschnur klariert werden, in der Aufregung hat sich ’ne schöne Wuling ergeben

Am Sonntag, den 10.12.2017 haben wir mehrere Stunden lang die Toilette repariert.

Mitten auf dem Atlantik, und die Kloschüssel steht in der Plicht. Schöne Sch…

Arbeitsschiff, in diesem Fall wohl so etwas wie Strafarbeit. Die Toilette und der Abflussschlauch sind komplett verstopft und müssen gereinigt werden

Sonntag 10.12.2017, 9. Tag auf See, der Tag der Rekorde. Spitzensurf 10,8 Kn SOG, Etmal 161 Meilen, Durchschnittsgeschwindigkeit über den gesamten Tag 6,71 Kn. Wahnsinn. Doch seht selbst, wie solche Rekorde entstehen:

Ich hoffe, ihr seid beim Video schauen nicht seekrank geworden! Wir haben bei diesen Bedingungen die Toilette repariert, gekocht, geschlafen, gelesen, gefilmt, haben am Laptop gesessen oder einfach die faszinierenden Seen bestaunt. Auf Bildern und auch auf Filmen wird eines nie deutlich – die Wellenhöhe! In diesem Video hatten wir einen Seegang von 4-5m (laut Wetterbericht). Einige Seen sind nach meiner Schätzung wohl eher 6m hoch gewesen.

Nach dem Tag der Rekorde rauscht Avalon relaxt in den Sonnenuntergang

 

Donnerstag, 14.12.2017. Heute ist ein besonderer Tag, Lorenzo hat Geburtstag! Ort: Atlantik, 18°00’N/40°44’W. In der Nacht zunächst kein Geburtstagssegeln, doch morgens hat sich die See soweit beruhigt, dass wir den Spi setzen können. Ein schönes Geburtstagsgeschenk für Lorenzo.

Der Spi steht und zieht gut

Der Spi als Geburtstagsgeschenk für Lorenzo

Und obendrauf noch ein Video

 

Freitag 15.12.2017
Ein wesentliches Merkmal des Passatgürtels ist die ausgeprägte Wolkenbildung. Nie zuvor habe ich Vergleichbares in dieser Dichte und Schönheit erlebt. Das die Sonne wie bei Capri im Meer  versinkt sieht man hier zwar selten bis gar nicht, aber dieses farbenprächtige Wolkenschauspiel entschädigt allemal

 

 

 

Der Ozean zeigt sich plötzlich pflanzenreich, Zeichen für Landnähe?

 

Pflanzenteppiche auf dem Wasser.

 

Halbmond am Abendhimmel, eine einmalige Stimmung

Es ist soweit. Barbados ist in Sicht und in wenigen Stunden werden wir festes Land betreten. Bei mir ist die Freude darauf nicht so groß wie die Freude, über den Atlantik gesegelt zu sein.

 

Das Leuchtfeuer am Harrison Point im Norden von Barbados, wir sind bald am Ziel

Hinter dem Wellenbrecher liegt die kleine aber feine Marina von Port St. Charles

 

Die Hafeneinfahrt von Port St. Charles. In der Karibik ist die Betonnung umgekehrt, d.h. von See kommend liegen an steuerbord die roten Tonnen. It’s very important to know that!!!

Wohnanlagen in Port St. Charles

Wir bekommen keinen Platz in der Marina und gehen außen vor Anker. Der Anker fällt um 13.20h. Zum Einklarieren fahren wir mit dem Dingi. Und das Einklarieren dauert…wir sind angekommen!

Logge: 02274, gef. Meilen seit Mittagsposition: 8

Die Überfahrt in Zahlen:

gesegelte Strecke von Las Palmas nach Port St. Charles: 2934 Meilen
benötigte Zeit: 20 Tage 1h 20 Min
Durchschnittsgeschwindigkeit: 6,1 Kn
Dieselverbrauch: ca. 30 L, eher weniger, das meiste zum Akku laden

 

 

Voilà, unser Müll von 20 Tagen, komprimiert in sechs 5-Liter Flaschen

Zum Müll sei noch gesagt, dass wir NICHTS über Bord geworfen haben, nicht einmal Papier!!!  In den Flaschen sind u.a. ca. 15 leere und klein geschnippelte 5-Liter Flaschen, ca. 40 Bierdosen (wir haben uns jeden Abend zum „Feierabend“ ein Bier gegönnt)

 

Die kleine Versorgungsstation in Port St. Charles. Hier haben wir 30L Diesel und Wasser gebunkert.

Weiter oben habe ich geschrieben, dass wir angekommen sind. Ja, wir sind da, das Boot schwimmt in 27°-28° warmen Wasser, wir atmen die karibische Luft und riechen das Land. Aber ich brauche noch Zeit. Es ist anders, als in Klintholm anzukommen, ganz anders. Viel Neues wartet und auch die Hängematte muss noch warten, bis ich wirklich angekommen bin.

Der Ozean hat mir zu keiner Zeit Angst gemacht. Das befürchtete Gefühl, dem riesigen Meer ausgeliefert zu sein, hat sich nie eingestellt. Unser Mikrokosmos Boot im sichtbaren Teil des Ozeans hat mir zu jeder Zeit das Gefühl vermittelt, zu hause zu sein. Mehr geht nicht. Doch, da sind ja noch die Highlights: Stunden- bzw. tagelange Rauschefahrten, Sternenhimmel, Wolkenspektakel, Fliegende Fische, das blaue Meer usw. usw.

 

 

5 Kommentare zu “Ein Jahr lang Sommer – Zusammenfassung Atlantiküberquerung vom 02. bis 22.12.2017

  1. Duddi

    moin,moin Kuddel
    habe deinen bericht genau angeschaut, muß dazu sagen so stark wie du die see und wind angegeben hast sah es mir doch nicht aus. wellenhöhe ist ok. aber das soll eure tolle
    atlanktiküberquerung nicht schmälern, es muß schon ein tolles gefühl sein mit so einer nußschale die überquerung zu wagen, wäre glaube ich nichts für mich, muß schon ein
    etwas größerer pott sein. glückwunsch das alles so gut geklappt hat und nun guckt euch
    die karibik in aller ruhe an, es gibt soviel schöne stellen, das alles zu verarbeiten dauert
    schon seine zeit, hoffe später von bärbel mehr zu hören.nun kann ich euch nur noch viel
    vergnügen dort drüben wünschen und warte auf deine weiteren reports.
    viele grüße aus estebrügge duddi

    1. avalon693 Autor des Beitrags

      Moin Duddi,
      danke für deinen schönen Kommentar. Ich kann deinen Eindruck bzgl. Wind und See nachvollziehen und vielen anderen geht es bestimmt genau so. Aber, wie schon im Blog angedeutet, ist es mit Bildern und Videos von der See so eine Sache. Da kommt ALLES viel freundlicher rüber! Darüber hinaus hatten wir meistens in der Nacht den stärksten Wind, und da lässt es sich nicht so gut fotografieren :-). Noch zur Information: Die Windstärke ist immer an Bord gemessen, nicht wie die Wellenhöhe aus einem Wetterbericht. Viel Spaß weiterhin mit dem Blog und liebe Grüße aus der Karibik nach Estebrügge, Bärbel und Kuddel

  2. Rolf Neumann

    Liebe Avalon,

    ganz herzlichen Dank für den großartigen Bericht,von der Atlantiküberquerung. Seit Tagen suchen wir Euch in der Karibik und jetzt wissen wir,dass ihr wieder erreichbar seid.
    Wir wünschen euch noch schöne Tage dort,passt auf euch auf.
    Liebe Grüße von Gran Canaria Uschi und Rolf

  3. Klaus-Eckart Sinner

    Sehr schöne Zusammenfassung, die Videos vermitteln uns „Landratten“ wenigstens einen kleinen Eindruck von eurem großen Abenteuer, super!
    Also denn eine gut Zeit in der Karibik und weiterhin immer ’ne Handbreit Wasser unterm Kiel!

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